Amsterdam 1928

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Spiele der IX. Olympiade

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Daten

Vom 17. Mai bis 12. August. 290 Frauen und 2724 Männer aus 20 Ländern nahmen an 109 Wettbewerben in 15 Sportarten teil.

Programm

Tennis war nicht mehr olympisch, es fehlten auch Schießen, Polo und Rugby. Zum vierten Mal seit Stockholm 1912 wurden Medaillen in den Kunstwettbewerben vergeben.

Austragungsort

Der Kanadier Percy Williams bei seinem Olympiasieg über 100 m in Amsterdam 1928.

Schon drei Mal (1916, 1920 und 1924) hatten sich die Holländer für Olympia beworben, bevor Amsterdam für 1928 den Zuschlag bekam. Mit dem Gewinn einer Olympia-Lotterie hatte die Stadt ein Stadion bauen lassen, mit einer exakten 400 m-Bahn, eingerahmt von einer Rad-Rennbahn.

Bei der Eröffnungsfeier stiegen erstmals Tauben auf, und ein olympisches Feuer wurde entzündet.

Neuerungen

Zum ersten Mal in der olympischen Geschichte durften Frauen in der Leichtathletik und im Turnen starten. Damit war die bislang umstrittene Teilnahme der Frauen keine olympische Streitfrage mehr. Die antiken Spiele hatten den Frauen bei Androhung der Todesstrafe nicht einmal das Zuschauen erlaubt.

Seit Paris 1900 nahmen sie in verschiedenen Sportarten (Croquet, Golf, Tennis, Bogenschießen, Schwimmen und Eiskunstlauf) teil, aber ihre olympische Beteiligung wurde nicht zuletzt durch Coubertins Abneigung gegenüber Frauensport erheblich gebremst. Nach langen Diskussionen - die Vorurteile reichten von "unweiblich" bis "zu anstrengend" - wurden den Frauen fünf Disziplinen genehmigt: Hochsprung, Diskus, 100 m, 800 m und 4 x 100-m-Staffel.

Nach dem 800 m-Lauf, den die Breslauerin Lina Radke-Batschauer gewann, entflammten die Diskussionen erneut, da viele Frauen aufgaben oder zusammenbrachen. Es dauerte bis Rom 1960, ehe Frauen wieder Laufstrecken über 200 m zugestanden wurden.

Medaillenbilanz

Ivar Ballangrund, Norwegens mehrfacher Medaillengewinner im Eisschnelllauf.

Insgesamt errangen die Amerikaner die meisten Medaillen (56, 22/18/16) vor der deutschen Mannschaft (31, 10/7/14).

Vergleiche Medaillenspiegel Amsterdam 1928.

Erfolge

Paavo Nurmi holte sich seine letzten drei Medaillen von insgesamt zwölf.

In Deutschland war nach 16-jähriger Pause die olympische Begeisterung wieder gewachsen, besonders gefördert durch den jungen Sportfunktionär Karl Halt (1891-1964), der mit Carl Diem zusammenarbeitete. Der "Deutsche Olympische Ausschuss" stellte die internationalen Verbindungen wieder her, schickte 32 Frauen und 191 Männer nach Amsterdam, für die rund 700 000 Mark aufgebracht worden waren. Herausragend die beiden Siege des Reiters Carl von Langen, dessen Geschichte später in dem Willy-Birgel-Film "Reitet für Deutschland" verarbeitet wurde. Deutsche Leichtathleten gewannen von 100 m bis 800 m jeweils Bronze. In Deutschland herrschte danach regelrecht "olympische Stimmung", Berlin bewarb sich 1930 für die Spiele von 1936 und erhielt den Zuschlag vor Barcelona.

Fazit

Die Spiele von Amsterdam waren die letzten wirklich "friedlichen Spiele", bei denen sich die wirtschaftliche Depression noch nicht bemerkbar machte. Es fehlten aber auch die grandiosen, herausragenden Athleten, und IOC-Ehrenpräsident Coubertin war wegen Krankheit erstmals seit 1906 nicht dabei.