Antwerpen 1920

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Der Brite Jack Beresford, mehrfacher Goldmedaillensieger im Rudern.

    Spiele der VII. Olympiade

    Daten

    Kurz nach dem Weltkrieg und nach dem Ausfall von 1916 fanden diese Spiele im noch zerstörten Belgien vom 23. August bis 12. September statt. 64 Frauen und 2 543 Männer aus 29 Ländern starteten in 154 Wettbewerben und 22 Sportarten.

    Deutschland, Österreich, Bulgarien, Ungarn und Türkei waren von den Spielen ausgeschlossen; Russland bzw. die Sowjetunion lehnte die Einladung ab. Das alte Russland hatte 1900 (drei Sportler), 1908 (5) und 1912 (169) teilgenommen, aber keinen Olympiasieger gestellt.

    Wintersport

    Wie schon 1908 waren in Antwerpen neben den Sommersportarten auch olympische Winterdisziplinen Bestandteil des Programms: Vier Eislaufkonkurrenzen und zum ersten Mal das Eishockeyturnier. Es gibt aber Zweifel daran, ob diese Wettbewerbe als "olympische" gewertet werden. Das IOC sagt: Die ersten offiziellen Winterspiele fanden 1924 in Chamonix statt. Eishockeyturniersieger wurde Kanada.

    Austragungsort

    IOC-Präsident Coubertin hatte schon 1914 Antwerpen mit den Spielen 1920 beauftragt und erneuerte 1919 die Einladung. Nach Kriegsende blieben den Belgiern nur 18 Monate für die Vorbereitung. Verglichen mit früher schienen die Sportanlagen armselig, aber alle Teilnehmer und Funktionäre waren dankbar, dass es nun wieder Spiele in Frieden gab, die zu einem vollen Erfolg wurden.

    Neuerungen

    Antwerpen brachte zwei bemerkenswerte Neuerungen: Die von Coubertin entworfene olympische Flagge mit den fünf verschlungenen farbigen Ringen wurde zum erstenmal gehisst, und der Belgier Victor Boin sprach den ersten olympischen Eid.

    Medaillenbilanz

    Die meisten Medaillen holten die USA mit 95 (41/27/27) vor Schweden (63) und England (43), Gastgeber Belgien kam auf 35 (14/11/10).

    Vergleiche Medaillenspiegel Antwerpen 1920.

    Stars und Erfolge

    Paavo Nurmi holte zwischen 1920 und 1928 neun Gold- und drei Silbermedaillen bei Olympischen Spielen.

    Ein neuer Star wurde geboren: Der finnische Läufer Paavo Nurmi feierte drei Olympiasiege und gewann eine Silbermedaille.

    Für die Finnen, die - wie die Amerikaner - in der Leichtathletik neun Goldmedaillen gewannen, hatten diese Erfolge (gesamte Medaillenbilanz 15/10/9) große Bedeutung, waren sie doch seit 1917 unabhängig und kämpften nun unter finnischer Flagge.

    Im Schießsport gab es 20 Wettbewerbe, so dass die Amerikaner Willis Lee (5/1/1) und Lloyd Spooner (4/1/2) die erfolgreichsten Teilnehmer wurden. Der italienische Fechter Nedo Nadi feierte fünf Olympiasiege, sein Bruder Aldo drei. Zweimal Gold gab es für die berühmteste Tennisspielerin jener Zeit, die Französin Suzanne Lenglen.

    Kurioses

    Ebenfalls zweimal Gold gewann der amerikanische Ruderer John Kelly, der Vater der Filmschauspielerin und späteren Fürstin von Monaco, Grace Kelly. Kurz zuvor hatte man ihn in London nicht bei der Henley-Regatta starten lassen, weil er als Maurer angeblich zu starke körperliche Vorteile hatte.

    Der Friedens-Nobelpreisträger von 1959, der Brite Philip Noel-Baker, errang Silber im 1 500 m-Lauf, bis heute der einzige Nobelpreisträger mit einer Olympia-Medaille.

    Fazit

    Die Olympischen Spiele in Antwerpen trugen entscheidend dazu bei, dass die olympische Idee nach einer achtjährigen Zwangspause von der Öffentlichkeit positiv gesehen wurde. Die Fans studierten die so genannte Nationenwertung in den Zeitungen, die Coubertin als "unolympisch" ablehnte.