Athen 1896

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Spiele der I. Olympiade

    Die ersten Sommerspiele fanden in der griechischen Stadt vom 6. bis 15. April statt. Etwa 310 (geschätzt) Männer aus 13 Ländern nahmen an 43 Wettbewerben in neun Sportarten teil.

    Die olympische Idee

    Athen, Olympiastadion

    Im November 1892 hielt der 31-jährige französische Historiker und Pädagoge Baron Pierre de Coubertin an der Pariser Universität Sorbonne einen Vortrag, der mit der sensationellen Aufforderung an die Öffentlichkeit endete, die Olympischen Spiele wiederzubeleben - eineinhalb Jahrtausende, nachdem der römische Kaiser Theodosius nach der 292. Olympiade im Jahr 393 n. Chr. dieses "heidnische Fest der Hellenen" verboten hatte. Coubertins Idee von der Wiederaufnahme der Spiele speiste sich aus zwei Quellen: aus der Turnbewegung, die sich im Europa des 19. Jh.s entwickelt hatte, und aus seiner Begeisterung für das antike Olympia, dessen Ruinen die deutschen Archäologen Ernst Curtius und Wilhelm Dörpfeld zwischen 1875 und 1881 ausgegraben hatten. 1889 hatte ihn die französische Regierung mit einer Studie über moderne körperliche Erziehung und Ertüchtigung beauftragt, wohl auch zu militärischen Zwecken.

    Bereits Ende des 18. Jahrhunderts hatte der deutsche Pädagoge Guthsmuth von einer Wiederbelebung der "olympischen Ideale" gesprochen, nachdem es schon 100 Jahre früher in England "Olympische Spiele" mit allerdings vorwiegend militärisch-kriegerischen Wettkämpfen gegeben hatte.

    Für Coubertins Ideen von der "geistigen und körperlichen Ertüchtigung", vom "Weltfrieden" und von der "gesunden Demokratie und friedlichem Internationalismus" fand sich anfangs wenig Begeisterung, aber immerhin trafen sich im Juni 1884 in Paris zum von Coubertin einberufenen "Internationalen Leibeserzieherischen Kongreß" Delegierte aus 12 Ländern, die die Gründung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und die Abhaltung eines alle vier Jahre stattfindenden "Sportfestes" beschlossen, das sich an den antiken Olympischen Spielen orientieren sollte. Erster IOC-Präsident wurde der griechische Schriftsteller Demetrius Bikelas. Coubertin machte man zum Generalsekretär.

    Olympia-Gegner

    In den vorwiegend nationalistischen Kreisen des ausgehenden 19. Jh.s fand die völkerverbindende Idee Coubertins wenig Anklang. Man hielt es für würdelos, sich mit Sport zu befassen. Die französische Presse empörte sich über die Zumutung Coubertins, öffentliche Gelder für die Athleten zu verlangen, und in Deutschland nannte man den Berliner Arzt Dr. Willibald Gebhardt, als IOC-Mitglied die treibende "olympische Kraft" im Reich (Deutsche Olympiamannschaften), einen "undeutschen Mann", forderte in Zeitungen, "ihn mit Schande aus dem deutschen Volk auszustoßen".

    Austragungsort

    Baron de Coubertin wollte die ersten Spiele 1900 in Paris veranstalten, die Delegierten aber stimmten für 1896. Budapest bewarb sich als Austragungsort, Bikelas aber setzte seine Heimatstadt Athen durch. Die Begeisterung der dortigen Bevölkerung fegte alle politischen und finanziellen Bedenken der Regierung beiseite, und König Konstantin gründete ein Komitee für Organisation und Finanzen. Es wurden die ersten Sportbriefmarken gedruckt, reiche Griechen spendeten Geld. Der Kaufmann Georges Averoff ließ das zerfallene, als Steinbruch dienende antike Olympiastadion in weißem Marmor und mit nun doppeltem Fassungsvermögen wiedererstehen.

    Die ersten Spiele

    Start zum ersten olympischen 100-m-Rennen in Athen 1896.

    Die Eröffnungsfeier am Ostermontag fiel mit dem 75. Jahrestag der griechischen Unabhängigkeitserklärung zusammen. 40 000 Menschen im Stadion und Tausende auf den umliegenden Hügeln erlebten mit, was Coubertin später so beschrieb: "Endlich schlug die Stunde, da es der Menge erlaubt wurde, in das weißleuchtende Stadion einzutreten, und in der König Georg I. Punkt 15 Uhr die Wiederaufnahme der Olympischen Spiele mit den Worten besiegelte: 'Ich erkläre die Spiele der ersten Olympiade der neuen Zeitrechnung für eröffnet!' Gleich darauf fiel ein Kanonenschuss. Tauben wurden in die Luft entlassen, Chöre stimmten die schöne Kantate des griechischen Musikers Samara an, und die Wettkämpfe nahmen ihren Anfang."

    Der erste Wettbewerb

    Der erste olympische Wettbewerb war ein 100-m-Vorlauf.

    Der erste Olympiasieger der Neuzeit

    War der amerikanische Dreispringer James Conolly, der die Harvard-Universität wegen der Spiele ohne genehmigten Urlaub verlassen hatte und deshalb exmatrikuliert wurde. 1949 verlieh ihm aber seine Universität die Ehrendoktorwürde.

    Goldmedaillen gab es damals noch nicht. Alle Platzierten wurden am Schlusstag (unter strömendem Regen) geehrt, die Sieger mit Silbermedaillen und Olivenzweigen, die Zweiten mit Bronzemedaillen und Lorbeerzweigen, die Dritten gingen leer aus.

    Vergleiche Medaillenspiegel Athen 1896.

    Programm

    Segel- und Ruderwettbewerbe mussten wegen schlechten Wetters abgesagt werden, die Schwimmer kämpften im offenen Meer bei 13 Grad Wassertemperatur.

    Erfolge

    Die Amerikaner, erst am Eröffnungstag nach einer Überfahrt im Viehtransporter angekommen, stellten neun von zwölf Siegern in der Leichtathletik.

    Sprintsieger Burke (USA) zeigte den, damals belachten, ersten Tiefstart. Das griechische Publikum war enttäuscht wegen der eigenen fehlenden Siege in den klassischen Disziplinen, da kam endlich die Ruhmestat eines Griechen im neu eingeführten Marathonlauf. Am 10. April siegte in einem Feld von 21 Griechen und vier Ausländern der ehemalige Ziegenhirt Spiridon Louis, der damals als Wasserträger in Athen arbeitete und sich als "Siegesprämie" einen Karren und ein Pferd wünschte. Griechenland feierte nach 1503 Jahren wieder einen olympischen Helden.

    Das deutsche Olympia-Komitee schickte als erste Olympia-Mannschaft 21 Sportler ins Geschehen: elf Turner, drei Leichtathleten, fünf Radsportler und zwei Ruderer, die aber nicht zum Einsatz kamen. Sie errangen sieben erste, fünf zweite und zwei dritte Plätze. Überragend waren die Turner, die einschließlich des "Tauhangelns" fünfmal Erste, dreimal Zweite und zweimal Dritte wurden. Hermann Weingärtner und Alfred Flatow brachten es je auf drei Turnsiege.

    Kurioses

    Carl Schuhmann siegte im Pferdsprung und mit den Barren- und Reck-Mannschaften - und nahm dann noch erfolgreich am Ringerturnier teil.

    Den siebten deutschen Olympiasieg feierte der Leichtathlet Fritz Traun - aber als Tennisspieler. Der Engländer John Boland hatte ihn als Doppelpartner angeheuert. Dies war die erste und letzte internationale Mannschaft, die einen Olympiasieg feiern durfte.

    Fazit

    Die ersten Spiele der Neuzeit waren ein guter Anfang, aber Coubertin konnte den Griechen nur mühsam klarmachen, dass Athen kein Monopol auf Olympia haben konnte. Paris sollte die nächsten Spiele 1900 zusammen mit der Weltausstellung bekommen.