Athen 1906

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Zwischenspiele

    Diese "zweiten Sommerspiele" oder Zwischenspiele in Athen fanden vom 22. April bis 2. Mai statt. Sie wurden offiziell von König Georg I. eröffnet. Sieben Frauen und 877 Männer aus 20 Ländern nahmen an 77 Wettbewerben in elf Sportarten teil.

    Die so genannten Zwischenspiele

    Auch heute noch gibt es beim IOC und bei Historikern Vorbehalte, diese Spiele als "echte Olympische Spiele" zu betrachten. Doch haben diese Zwischenspiele Olympia quasi gerettet, befand es sich doch nach den Debakeln von 1900 und 1904 in einem desolaten Zustand.

    Athen, Olympiastadion

    Die Griechen hatten ihre Pläne, ständiger olympischer Gastgeber zu sein, nie aufgegeben. Angesichts der olympischen Krise konnten sie nun Baron de Coubertin überreden, alle vier Jahre zwischen den eigentlichen Olympischen Spielen in Athen ein "IOC-Sportfest" zu veranstalten, dessen Ergebnisse aber nicht als olympisch klassifiziert werden sollten. Das IOC traf zunächst keine Entscheidung über den Status der Spiele, erklärte sie aber später für "nicht offiziell". Viele Statistiker aber zählen die Medaillen von Athen 1906 mit.

    Neuerung

    Zum ersten Mal gab es eine echte Eröffnungsfeier, die Mannschaften marschierten hinter dem Träger ihrer Flagge ins Stadion ein.

    Erfolgsbilanz

    Erstmals entsandten auch die USA ein offizielles Team, das aber, früher erfolgsverwöhnt, diesmal nach Platzierungen (23) hinter Frankreich (40) und Griechenland (33) zurückblieb.

    Vergleiche Medaillenspiegel Zwischenspiele Athen 1906.

    Erfolge

    Das eigentlich klassisch-griechische Diskuswerfen (1906 von einem Podest herunter) gewann zum Entsetzen der Zuschauer der Finne Werner Järvinnen.

    Der Schwede Hjalmar Mellander triumphierte in einer neuen Fünfkampfdisziplin, bestehend aus Stadionlauf über 192 m, Weitsprung aus dem Stand, Diskuswerfen, Speer und ein Ringkampf.

    Im 1500-m-Gehen gewann der US-Leichtathlet George Bonhag, der diese Sportart noch nie betrieben hatte und nach enttäuschenden Leistungen in seinen Spezialgebieten nicht ohne "Medaille" heimkehren wollte, die meisten seiner Konkurrenten wurden allerdings disqualifiziert.

    In Deutschland hatte sich inzwischen als Olympiakomitee der "Deutsche Reichsausschuss für die Olympischen Spiele" konstituiert, der 52 Sportler, diesmal ausschließlich Männer, nach Athen schickte. Sie holten sich vier erste, sechs zweite und vier dritte Plätze. Der Fechter Gustav Casimir, dessen Sohn Erwin später ebenfalls Medaillen im Fechten gewann, wurde zweimal Sieger und zweimal Zweiter.

    Im Tauziehen, das zwischen 1900 und 1920 olympische Sportart war, siegten die Deutschen Athleten unter vier angetretenen Mannschaften vor Griechenland. Tauzieher Heinrich Schneidereit holte sich zudem zwei dritte Plätze im ein- und zweihändigen Gewichtheben ohne Gewichtsklassen.

    Fazit

    Diese Zwischenspiele waren sportlich und organisatorisch ein voller Erfolg, alle Wettbewerbe an einem Ort, Olympia nicht mehr als "Pausenfüller". Deshalb sagte IOC-Präsident Coubertin Athen auch Zwischenspiele für 1910 zu, die aber kamen wegen politischer Unruhen dann nicht zustande, und so blieben die Zwischenspiele von 1906 ein einmaliges Ereignis.