Bahnradsport

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Der italienische Bahnradsportler Sacchi in Helsinki 1952 auf dem Weg zur Goldmedaille.

    Einleitung

    Bahnradsport ist ein Radrennen für Männer und Frauen auf einer speziellen Bahn mit verschiedenen Längen (200 m bis 500 m), mit verschiedener Struktur (z.B. Holz, Zement) und mit überhöhten Kurven.

    Regeln in Kürze

    Olympisch sind Sprintrennen, Verfolgungsrennen, Punktefahren, Zeitfahren und die jüngeren Disziplinen Keirin, Olympischer Sprint und Madison.

    Sprintrennen

    Rennen zwischen zwei oder drei Fahrern, wobei nur die letzten 200 m gestoppt werden. Auf den zuvor absolvierten Bahnen werden Positionskämpfe ausgetragen.

    Verfolgungsrennen

    Zwei Fahrer starten an den gegenüber liegenden Geraden der Bahn. Ziel ist es, den gegnerischen Fahrer einzuholen; gelingt dies keinem der Gestarteten, so gewinnt derjenige Fahrer mit der besten Zeit.

    Mannschaftsverfolgung

    Eine Mannschaft besteht aus vier Fahrern; nur die besten drei gehen in die Wertung ein; ansonsten gelten dieselben Regeln wie bei den Einzel-Verfolgungsrennen.

    Punktefahren

    Ziel ist es, möglichst viele Punkte einzufahren, die für eine oder mehrere Runden vergeben werden. Der Fahrer mit den meisten Punkten ist Sieger.

    Zeitfahren

    Ziel ist es, eine festgesetzte Strecke in möglichst kurzer Zeit zu bewältigen, wobei gegen die Uhr und nicht gegen einen direkten Konkurrenten gefahren wird. Es wird in Abständen von einer Minute gestartet.

    Keirin

    Auf einer Strecke von 2000 m fahren maximal neun Fahrer während der ersten drei bis vier Runden hinter einem Schrittmacher (Derny) her und tragen Positionskämpfe aus, bevor der Endspurt erfolgt. Im Gegensatz zum Sprint ist Körpereinsatz erlaubt, solange die Hände am Lenker bleiben. Die Disziplin entstand nach dem 2. Weltkrieg in Japan.

    Olympischer Sprint

    Verfolgungsrennen, bei dem zwei Teams aus jeweils drei Fahrern auf den gegenüberliegenden Seite starten. Jeder dieser Fahrer führt sein Team über eine Runde an. Gewinner ist das Team, dass entweder die andere Mannschaft einholt oder aber die drei Runden am schnellsten zurücklegt.

    Madison (Zweier-Mannschaftsfahren)

    Mannschaftsrennen (zwei Fahrer pro Team), das in der Wertung dem Punktefahren ähnelt. Es befindet sich jeweils nur ein Fahrer des Teams auf der Bahn, wobei das Team den Zeitpunkt des Fahrerwechsels jeweils selbst bestimmt.

    Wettkampfdisziplinen

    Männer

    Sprint, 1000-m-Zeitfahren, 4000-m-Einerverfolgung, 4000-m-Mannschaftsverfolgung, Punktefahren (40 km), Keirin, Olympischer Sprint, Madison

    Frauen

    Sprint, 3000-m-Verfolgung, Punktefahren (25 km), 500-m-Zeitfahren

    Olympische Geschichte

    Sein olympisches Debüt gab der Radsport mit sechs Wettbewerben auf Bahn (und Straße, siehe Straßenrennen) schon in Athen 1896 und gehört damit zu den wenigen Sportarten, die von Beginn der modernen Spiele an immer Bestandteil des Programms war.

    Der Frauen-Radsport wurde in Los Angeles 1984 mit dem Einzel-Straßenrennen olympisch, in Seoul 1988 folgte der Bahn-Sprint und in Barcelona 1992 die Bahn-Verfolgung. In Atlanta 1996 wurde das Programm auf der Bahn erneut erweitert, hinzu kam das Punktefahren für Frauen. In Sydney 2000 wurde erstmals das 500-m-Zeitfahren der Frauen ausgetragen, bei den Männern kamen die Disziplinen Keirin, Olympischer Sprint und Madison dazu.

    Olympische Erfolge

    Die Rekord-Medaillensammler stammen aus den "Gründerjahren", in jüngerer Zeit gewannen die Franzosen Daniel Morelon (5) und Pierre Trentin (4) die meisten Medaillen. Bahnsprinter Morelon sicherte sich zwischen Tokio 1964 und Montreal 1976 dreimal Gold und je einmal Silber und Bronze.

    Besonders auf der Bahn gab es Erfolge für deutsche Radsportler und auch das DDR Team zu verzeichnen: so errangen z.B. Sprinter Toni Merkens und das Tandem Ihbe/Lorenz Gold in Berlin 1936.

    Gregor Braun wurde in Montreal 1976 Olympiasieger im Einzel und mit der Mannschaft in der Verfolgung, der bundesdeutsche Bahnvierer sicherte sich in Barcelona 1992 den Olympiasieg. In Atlanta holte sich Jens Fiedler im Einzelsprint den zweiten Olympiasieg (nach 1992) seiner Karriere.