Bobsport

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Zweierbob

    Bobsport ist ein Sportschlittenrennen, bei dem das Sportgerät auf Zeit durch einen Eiskanal gesteuert wird.

    Die Wettkampfdisziplinen bei den Männern sind Zweier- und Viererbob. In Salt Lake City 2002 wurden erstmals Frauen zugelassen, und zwar im Zweierbob.

    Regeln in Kürze

    Ab 1929 wurde das Bobfahren auf dem Bauch liegend verboten sowie 1933 die Erwärmung der Kufen. Seit dieser Zeit gibt es auch die Helmpflicht.'

    Die Bobbahn

    Kunsteis-Bobbahnen müssen mindestens 1 500 m lang sein, mindestens fünf genau definierte und stark überhöhte Kurven enthalten und ein Durchschnittsgefälle von 8 % haben.

    Der Bob

    Neben dem Gesamtgewicht (mit Fahrern maximal 390 kg bzw. 630 kg) sind auch die Abmessungen der Bobs vorgeschrieben: Ein Bob darf 67 cm breit und 2,70 bzw. 3,80 m lang sein. Verkleidung der Kufen ist verboten.

    Modus

    Die jeweiligen Nr. 1 der stärksten Verbände werden in einer Gruppe gesetzt. Sieger ist die Mannschaft mit der kürzesten Gesamtzeit aus vier Läufen, in jeweils veränderter Startreihenfolge.

    Mit entscheidend ist die Anschubkraft, mit der die Bobs in Bewegung gesetzt werden. Deshalb sind heute die (leicht-)athletischen Typen gefragt. Der "Bremser" bremst nur noch nach der Zieldurchfahrt.

    Kurioses

    Viererbob

    Die Sensation in Innsbruck 1964 war der Zweierbob-Sieg der Engländer Nash/Dixon, aus einem Land kommend, in dem es keine einzige Bobbahn gab. Der Italiener Eugenio Monti, als Favorit "nur" Zweiter, hatte ihnen ein Ersatzteil aus dem eigenen Bob überlassen.

    Im siegreichen Viererbob in Lake Placid 1932 saß der Amerikaner Edward Eagan, der 1920 Box-Olympiasieger im Halbschwergewicht gewesen war. Er ist der einzige Sportler in der gesamten olympischen Geschichte, der Gold im Sommer und Winter gewann.

    In Squaw Valley 1960 fanden erstmalig und einmalig keine Bobrennen statt, da sich die Veranstalter weigerten, eine Bobbahn zu bauen. Begründet wurde dies mit Kostengründen und der Tatsache, dass in einer Umfrage eine zu geringe Beteilung an dieser Disziplin ermittelt wurde.

    Geschichte der Sportart

    Das Bobfahren wurde in der Schweiz von einem Engländer erfunden. 1888 verband Wilson Smith zwei Schlitten mit einem Brett, benutzte den vorderen Schlitten zum Lenken, nannte das ganze "Bob" (von "to bob" = sich hin und her bewegen) und "fuhr" von St. Moritz nach Celerina.

    Den ersten richtigen Bob konstruierte der Schweizer Mathis wenige Monate später, der Schlitten war aus Holz, die Kufen mit Stahl belegt. Mit dem neuen Sportgerät versuchte man sich dann auf der Cresta-Bahn (Skeleton) in St. Moritz, aber die Bobs waren zu schnell dafür. So wurde dort 1904 die erste Bobbahn der Welt gebaut.

    Erste Bobrennen in Deutschland gab es 1905 in Schreiberhau (Schlesien) und 1906 in Oberhof (Thüringen). Seit 1924 finden Weltmeisterschaften (seit 1929 auch für Viererbobs) statt.

    Olympische Geschichte

    Bei den ersten offiziellen Winterspielen in Chamonix 1924 wurde der Bobsport olympische Disziplin (Viererbob). In St. Moritz 1928 konnten die Teilnehmer zwischen Vierer- und Fünfer-Bobs wählen, aber alle Medaillengewinner saßen bzw. lagen zu fünft in ihren Schlitten.

    Ab Lake Placid 1932, wo die Zweierbobs olympische Premiere feierten, kam es dann zum heute noch üblichen Programm mit Zweier- und Viererbobs.

    In Oslo 1952 erlebte der Bobsport eine Zäsur, wohl provoziert durch die extrem schweren deutschen Bobfahrer, die im Vierer ein Durchschnittsgewicht von 118 kg aufwiesen. Das veranlasste den Internationalen Verband, Gewichtslimitierungen einzuführen: Zweierbob mit Besatzung nicht schwerer als 375 kg, Viererbob 630 kg. Fehlende Kilo durften bis zu diesen Höchstgrenzen mit Ballast ausgeglichen werden.

    In den letzten Jahrzehnten hat sich der "technische Fortschritt" natürlich auch der Bobs bemächtigt, bis hin zu den futuristischen "Fahrzeugen" einer deutschen Autofirma, die für die deutschen Bobfahrer in Lake Placid 1980 beinahe lebensgefährlich waren (siehe auch "Kurioses").

    Wegen der hohen Kosten für Gerät und vor allem die Bahnen kämpfte der Bobsport früher gewissermaßen um die olympische Existenz und um mindestens 25 Landesverbände, die für eine olympische Sportart eigentlich vorgeschrieben sind.

    Bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City wurden erstmals Frauen zugelassen, und zwar im Zweierbob.

    Olympische Erfolge

    In ihrer überaus langen Karriere gewannen Wolfgang Hoppe und Bogdan Musiol je sieben Medaillen. Die DDR-Athleten Meinhard Nehmer (dreimal Gold) und Wolfgang Hoppe bestimmten das Geschehen im Bobsport zwischen 1976 und 1994 entscheidend mit.

    Die superschweren Andreas Ostler und Lorenz Nieberl gewannen in Oslo 1952 beide Goldmedaillen, und in ihren Spuren folgten 1972 Wolfgang Zimmerer und Peter Utzschneider.

    Der Amerikaner William Fiske lenkte 1928 den Fünferbob zum Sieg. Er war knapp 17 Jahre alt, der jüngste männliche Olympiasieger im Winter.

    Weblinks

    International Bobsleigh and Tobogganing Federation (FIBT)

    Lange, André