Bogenschießen

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Einleitung

    Bogenschießen ist ein sportliches Schießen mit Pfeil und Bogen. Geschossen wird auf eine Zielscheibe, die bis zu 90 m maximal und 30 m minimal entfernt aufgestellt ist.

    Regeln in Kürze

    Bogenschießen

    In den Einzelwettbewerben der Frauen und Männer wird bis zum Viertelfinale die FITA-Runde (Scheiben in der Entfernung von 30, 50, 70 und 90 m). Ab dem Viertelfinale ist die Scheibe in 70 m entfernt. Es gibt zwei verschieden große Scheiben (Durchmesser 122 cm und 80 cm, aufgeteilt in je zehn Ringe) aus zusammen genähten Strohsträngen, auf deren Oberfläche aus Papier, Stoff oder Plastik die Zielringe aufgedruckt sind. Punkte können von einem (ganz außen) bis zehn (Mitte) erzielt werden.

    Gebräuchlich sind Bogen aus Stahl oder einer Glasfibermischung, deren Größe nicht limitiert ist. Sie bestehen aus einem Leichtmetall-Mittelteil und biegsamen Wurfarmen, die aus mehreren dünnen Schichten aus Holz, syntactic-Schaum und Glas-/ Carbon-Fasergeweben zusammengestellt werden. Zielhilfen sind erlaubt, allerdings keine Prismen oder Linsen. Die Pfeile werden aus einer Aluminiumlegierung gefertigt und sind 65-75 cm lang.

    Kurioses

    Angeblich wurde in Paris 1900 in einem siebten Wettbewerb auf lebende Tauben geschossen. In St. Louis 1904 durften auch Frauen an drei Wettbewerben teilnehmen, alle kamen aus den USA. M.C. Howell errang sämtliche Siege.

    In London 1908 traten nur Männer aus England, Frankreich und den USA an. Im einzigen Frauen-Wettbewerb gewann Charlotte Dod Silber, die als herausragendste Athletin ihrer Generation galt. Sie siegte fünf Mal im Tennisfinale von Wimbledon, war 1904 britische Golfmeisterin und spielte in der Hockey-Nationalmannschaft.

    Bei der Wiederentdeckung dieses Sports in München 1972 holten die Amerikanerin Doreen Wilber mit 42 Jahren als älteste und ihr Landsmann John Williams mit 18 Jahren als jüngste(r) Olympiasieger(in) aller Zeiten im Bogenschießen die Goldmedaillen.

    Geschichte der Sportart

    Als Sportart bildete sich Bogenschießen im 16. und 17. Jahrhundert in England heraus, wo es ab 1790 eine eigene Organisation dafür gab und ab 1844 britische Meisterschaften. Der Internationale Bogensportverband (FITA) wurde am 4. 9. 1931 während der Weltmeisterschaft im Schießsport in Polen gegründet. Der Sitz der FITA liegt in Mailand/Italien.

    Olympische Geschichte

    Zum ersten Mal olympisch war das Bogenschießen in Paris 1900, dann noch in St. Louis 1904, in London 1908 und in Antwerpen 1920. Damals konnten die Bogenschützen (1904 und 1908 auch Frauen) an sehr vielen Wettbewerben teilnehmen und so viele Medaillen gewinnen.

    Nach einer Pause von 52 Jahren wurde Bogenschießen in München 1972 wieder olympisch. Es gab für beide Geschlechter nur je einen Wettbewerb, die sogenannte FITA-Runde, die zweimal bewältigt werden musste. Ab Seoul 1988 wurden dann Mannschaftswettbewerbe für Frauen und Männer eingeführt, und in den Einzelwettbewerben schoss man erst eine einfache FITA-Runde als Qualifikation, um dann ab dem Viertelfinale den Olympiasieger im K.o.-System zu ermitteln.

    Olympische Erfolge

    Bei den Frauen stammen die erfolgreichsten Bogenschützinnen aus Korea. Von Los Angeles 1984 bis Athen 2004 gingen alle an Frauen vergebene Goldmedaillen, ob im Einzel oder mit der Mannschaft, an Südkoreanerinnen. Erst die Chinesin Zhang Juanjuan konnte in Peking 2008 diese Serie stoppen. Zweimal, 1988 in Seoul und 2000 in Sydney, belegte Südkorea in der Einzelkonkurrenz sogar alle drei Podestplätze.

    Bei den Männern holten die US-Amerikaner bislang fünf Gold- und zwei Silbermedaillen. Südkorea musste sich mit drei Mal Silber- und ein Mal Bronze begnügen, gewann aber 1988, 2000, 2004 und 2008 dafür den Teamwettbewerb.

    Deutschland gewann dank der Frauenmannschaft bisher eine Silber- und eine Bronzemedaille. In Atlanta 1996 wurden Barbara Mensing, Cornelia Pfohl und Sandra Wagner-Sachse Zweite, vier Jahre später in Sydney dann Dritte.

    Den Medaillenrekord eines Einzelsportlers besitzt der Belgier Hubert van Innis (neun, darunter sechs Mal Gold) aus den "Urzeiten" dieses Sports.