Chamonix 1924

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Erste Olympische Winterspiele

    Daten

    Die laut IOC ersten offiziellen Olympischen Winterspiele fanden in der französischen Stadt vom 25. Januar bis 4. Februar statt. 13 Frauen und 281 Männer aus 16 Ländern nahmen an 14 Wettbewerben teil.

    Programm

    Folgende Sportarten standen auf dem Programm:

    Eiskunstlauf, Eisschnelllauf, Eishockey, Bob und Nordischer Skisport. Die Frauen beteiligten sich nur am Eiskunstlauf. Der Alpine Skisport war erst ab 1936 olympisch.

    Demonstrations-Wettbewerbe gab es im Curling und durch eine Militärpatrouille.

    Die ersten Winterspiele

    Wilhelm Böckl als Vertreter der "Wiener Schule" in Chamonix 1924, wo er die Silbermedaille errang.

    Als sie stattfanden, hießen diese Spiele noch "Internationale Wintersportwoche in Chamonix". Erst 1925 wurde entschieden, dass das IOC eine spezielle Folge von Olympischen Winterspielen sanktionierte, die im selben Jahr wie die Sommerspiele stattfinden und durchnummeriert werden sollten. Ausgefallene Winterspiele werden also, im Gegensatz zu den Sommerspielen, nicht mitgezählt. Auf dem IOC-Kongress 1926 wurde beschlossen, die Wintersportwoche von Chamonix rückwirkend als erste Olympische Winterspiele offiziell anzuerkennen.

    Austragungsort

    In Chamonix kam es fast zu einer Wetterkatastrophe. Am 23. Dezember 1923 gab es überhaupt keinen Schnee, am Tag darauf lag er über einen Meter hoch. Eine Woche vor Beginn verwandelte Regen die Wettkampfstätten in "Seen", dann kam rechtzeitig Frost, und die Spiele konnten ohne Probleme beginnen.

    Bei der Eröffnungsfeier wurden die üblichen Fahnen vorweg getragen, man sprach einen "olympischen" Eid, und in der Eröffnungsformel kam der Ausdruck "Olympische Winterspiele" gemäß den Forderungen der nordischen Länder nicht vor.

    Erfolge

    Der erste Olympiasieger war der Amerikaner Charles Jewtraw, der im 500-m-Eisschnelllauf siegte. Das war am 26. Januar, und so früh sind später nie mehr olympische Wintermedaillen vergeben worden.

    Alle andere Erfolge blieben den Finnen oder Norwegern vorenthalten, wobei der Finne Clas Thunberg mit dreimal Gold und je einmal Silber und Bronze zum erfolgreichsten Teilnehmer wurde. Auf Skiern wurden nur nordische Wettbewerbe ausgetragen, und deren erfolgreichster Athlet war der Norweger Thorleif Haug mit Siegen über 18 km, 50 km und in der Nordischen Kombination.

    Von den zwölf möglichen Medaillen in den nordischen Disziplinen sicherten sich die Norweger zehn, nur der Finne Niku (Dritter über 18 km) und der Amerikaner Haugen (verspätet, siehe Kurioses) konnten ihnen die vordersten Plätze streitig machen.

    Ein später alles überstrahlender Star funkelte 1924 noch im verborgenen: Die elfjährige Sonja Henie belegte den achten Platz in der Eiskunstlaufkonkurrenz.

    Große Begeisterung herrschte rund um das Eishockey-Turnier mit acht Mannschaften und den überlegenen Kanadiern. Diese trumpften mit zweistelligen Siegen - 30:0 über die CSR, 22:0 über Schweden und gar 33:0 über die Schweiz - ganz groß auf.

    Vergleiche Medaillenspiegel Chamonix 1924.

    Kurioses

    Der erfolgreichste Teilnehmer, der Langläufer Thorleif Haug, hatte sich auch im Spezialspringen den dritten Platz erkämpft, was sich aber 50 Jahre später als Rechenfehler erwies. Kampfrichter hatten die Punktzahlen falsch addiert. Der wirkliche Dritte war der Amerikaner Anders Haugen. An Stelle ihres inzwischen verstorbenen Vaters überreichte Thorleif Haugs Tochter im Jahr 1974 dem nun 86 Jahre alten Amerikaner die Bronzemedaille.

    Fazit

    Die ersten Winterspiele, erst im Nachhinein dazu ernannt, entgingen knapp einem Wetterchaos und standen unter dem Zeichen skandinavischer Medaillenerfolge.

    Obwohl IOC-Präsident Coubertin für diese Winterspiele gar nicht viel übrig hatte, ließ er es sich nicht nehmen, die Siegerehrung der Eis-Künstler selbst vorzunehmen.

    Deutsche Sportler wurden noch als Folge des Ersten Weltkrieges, wie auch dann zu den Sommerspielen in Paris, nicht eingeladen.