Cortina d'Ampezzo 1956

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Siebente Olympische Winterspiele

    Vom 26. Januar bis 5. Februar. 132 Frauen und 686 Männer aus 32 Ländern nahmen in 24 Wettbewerben in sechs Sportarten teil.

    Programm

    Tenley Albright wird 1956 in Cortina erste amerikanische Olympiasiegerin im Eiskunstlauf.

    Das nordische Programm wurde um die 3 x 5-km-Langlaufstaffel der Frauen und den 30 km-Langlauf der Männer erweitert, aus deren bisherigem 18 km-Lauf die heute üblichen 15 km wurden.

    Austragungsort

    Cortina war schon 1944 vorgesehen gewesen, als die Spiele wegen des Krieges ausfallen mussten. Nun widmete man sich in Italien mit ganzem Einsatz der Ausrichtung. Mit erheblichen finanziellen Mitteln aus dem Fußball-Toto wurden prächtige Sportstätten errichtet - denen aber zunächst der Schnee fehlte. Lastwagen karrten ihn unermüdlich heran und mussten ihn, weil es am Eröffnungstag stark wie kaum zuvor schneite, wieder wegschaffen.

    Zum ersten Mal sprach eine Frau, die alpine Skiläuferin Giuliana Chenal-Minuzzo, 1952 Dritte in der Abfahrt, den olympischen Eid.

    Medaillenbilanz

    Brenden Hallgeir, mehrfacher Olympiasieger im Skilanglauf 1952 und 1956.

    Die sowjetische Mannschaft, die zum ersten Mal an den olympischen Start ging, holte sich gleich auf Anhieb die meisten Medaillen (7/3/6) vor Österreich (4/3/4) und Schweden (2/4/4). Die Norweger (2/1/1) verloren ihre bisherige Vormachtstellung.

    Vergleiche Medaillenspiegel Cortina d'Ampezzo 1956.

    Stars

    Zwei herausragenden Athleten gehörten die Schlagzeilen. Der 20-jährige Österreicher Toni Sailer gewann mit unglaublicher Überlegenheit alle drei alpinen Skirennen, und der Schwede Sixten Jernberg holte sich Medaillen in allen vier Langlaufwettbewerben.

    Erfolge

    Die Sowjets dominierten bei ihrem ersten Auftritt im Eisschnelllauf und im Eishockey, wo sie vor den USA und Kanada gewannen.

    Auf den herrlichen Bahnen des Misurina-Sees ragte der sowjetische Eisschnellläufer Jewgenij Grischin mit zwei Olympiasiegen heraus. Erstmals seit 1932 gingen Norwegens Eisschnellläufer leer aus.

    Finnlands Springer feierten mit ihrem revolutionären neuen "Tropfen-Stil" (angelegte Hände, erfunden von dem Schweizer Andreas Däscher) einen Doppelsieg auf der Schanze.

    Die Sonthofenerin Ossi Reichert gewann im Riesenslalom die einzige Goldmedaille für die deutsche Mannschaft, die erstmals als gesamtdeutsches Team an den Start ging. Der ostdeutsche Skispringer Harry Glass gewann Bronze.

    Kurioses

    Einen Zuschauerskandal gab es um das deutsche Eiskunstlauf-Paar, die erst zwölfjährige Marika Kilius und Franz Ningel, das vom Preisgericht nur auf Rang vier gesetzt wurde. Die empörten Zuschauer warfen mit Orangen und Chiantiflaschen.

    Bei der Eröffnungsfeier hätte es zu einer Panne kommen können, als der letzte Fackelläufer über ein Kabel im Eisstadion stürzte. Aber die Flamme erlosch nicht.

    Fazit

    Madeleine Berthod lässt sich nach ihrem Olympiasieg in der Abfahrt feiern.

    Die Besucherzahlen (rund 160 000) waren relativ gering. Schuld daran war vielleicht auch das Fernsehen, das erstmals Olympische Winterspiele weltweit übertrug und damit eine neue olympische Epoche einleitete.

    Mit besonderer Aufmerksamkeit wurde der erste Auftritt der Sowjetunion beobachtet, auch unter dem Gesichtspunkt der politischen Rivalität der Großmächte UdSSR und USA.