Deutsche Olympiamannschaften

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Seit Wiederbegründung der Olympischen Spiele in Athen 1896 werden auch deutsche Teilnehmer zu Olympischen Spielen entsandt; Erster und Zweiter Weltkrieg, Teilung in zwei deutsche Staaten und Wiedervereinigung spiegeln sich in der Historie deutscher Olympiamannschaften:

    Olympische Gründerzeiten

    Die deutsche Olympische Bewegung, deren Hauptaufgabe das Management der Olympiamannschaften ist, feierte 1995 ihr 100jähriges Bestehen. Sie zählt zu den ersten nationalen Organisationen, die nach der Gründung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am 23. Juni 1894 in Paris entstanden sind.

    Athen 1896

    Das am 13. Dezember 1895 in Berlin als "Komitee für die Beteiligung Deutschlands an den Olympischen Spiele in Athen" gegründete Komitee entsandte 1896 als erste deutsche Olympiamannschaft 21 Sportler nach Athen. In der Öffentlichkeit nahm man von ihnen nur wenig Notiz.

    Paris 1900

    War schon das erste Aufgebot im Wesentlichen der Initiative des Berliner Arztes Dr. Willibald Karl August Gebhardt (1861-1921), dem ersten deutschen Sportführer mit Weltgeltung, zu verdanken gewesen, so schaffte es der Olympiapionier trotz Anfeindungen und Querelen, auch für die Teilnahme in Paris 1900 ein Beteiligungskomitee zu gründen (12. Dezember 1899), das 10 000 Mark an Spenden für die Kosten aufbrachte. 64 Männer traten in Paris an.

    St. Louis 1904

    Im Mai 1903 wurde in Berlin das "Deutsche Komitee für die Spiele in St. Louis 1904" gegründet, dessen treibende Kraft wieder Gebhardt als Schriftführer war. Den 23 deutschen Teilnehmern (stärkstes ausländisches Kontingent) standen 26 000 Mark zur Verfügung.

    Von nun an nannte sich das Olympiakomitee bis 1917 "Deutscher Reichsausschuss für Olympische Spiele". Zu den Zwischenspielen in Athen 1906 entsandte er 52 Männer.

    London 1908

    Nach London schickte der Reichsausschuss nun unter der Leitung des Grafen von der Asseburg die bisher größte deutsche Mannschaft, 82 Männer und zum ersten Mal in der deutschen olympischen Geschichte zwei Frauen: Anna Hübler Horn gewann mit Heinrich Burger Gold im Paarlauf und Elsa Rendschmidt Silber im Einzelwettbewerb des Eiskunstlaufens. Bei diesen Spielen erlebte der Wintersport (mit Eiskunstlauf) seine olympische Premiere.

    Stockholm 1912

    Für Stockholm 1912 leitete die Vorbereitungen nun der junge Sportfunktionär Carl Diem (1882-1962), der nach erneuten Querelen mit der Deutschen Turnerschaft, die wieder die Teilnahme absagte, "nur" 185 Teilnehmer auf die Beine brachte, darunter aber zum ersten Mal in der Geschichte der Sommerspiele fünf Frauen.

    Der Erste Weltkrieg: olympische Folgen

    Der Erste Weltkrieg und die folgenden Wirren zwangen die deutschen Olympiasportler nun zu einer Pause von 16 Jahren. Erst 1928 kämpften sie wieder mit um olympische Ehren. Für die olympischen Teams war von 1917 bis 1925 der "Deutsche Reichsausschuss für Leibesübungen" zuständig, ab 1925 bis 1945 der "Deutsche Olympische Ausschuss".

    Für die Spiele in Antwerpen 1920 und Paris 1924 waren deutsche Sportler nicht eingeladen worden, ihre Funktionäre zeigten auch keinerlei Interesse daran.

    Olympische Begeisterung wiederentdeckt

    Doch die Zustimmung wurde wieder geweckt, besonders durch den jungen Funktionär Karl Halt, der nun eng mit Diem zusammenarbeitete. Der "Deutsche Olympische Ausschuss" stellte die internationalen Verbindungen wieder her und schickte 1928 zu den zweiten offiziellen Winterspielen fünf Frauen und 44 Männer nach St. Moritz.

    Amsterdam 1928

    Sehr erfolgreich wurden dann die Sommerspiele in Amsterdam, die Deutschen wurden zweitbeste Mannschaft hinter den USA. Daheim wuchs die olympische Begeisterung.

    Lake Placid/Los Angeles 1932

    Aber zuerst galt es trotz der wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten Mannschaften für die Spiele 1932 in den USA aufzubieten, wo es wegen der weltweiten Notlage nur kleine Teilnehmerfelder gab.

    Der "Deutsche Olympische Ausschuss" kratzte notdürftig Geld zusammen, schickte gerade 20 Männer zu den Winterspielen nach Lake Placid sowie sieben Frauen und 75 Männer zu den Sommerspielen nach Los Angeles, darunter vier Radsportler vom Deutschen Radfahrer-Club New York.

    Olympia als Propagandamittel

    In Deutschland erkannten die inzwischen an die Macht gekommenen Nazis die enorme Propagandawirkung der Olympischen Spiele für 1936 in Garmisch-Partenkirchen und Berlin und handelten entsprechend. Vergleichsweise riesige deutsche Mannschaften traten an. Die Bilanzen waren dementsprechend, in Berlin stand Deutschland an der Spitze des Medaillenspiegels.

    Der Zweite Weltkrieg: olympische Folgen

    Die Spiele der Jahre 1940 und 1944 fanden wegen des Zweiten Weltkrieges nicht statt, 1948 blieb Deutschland (und Japan) von St. Moritz und London ausgeschlossen.

    Am 24. September 1949 konstituierte sich das Nationale Olympische Komitee für Deutschland in Bonn, in der Hoffnung auf Mitarbeit der Sportfunktionäre in der sowjetischen Besatzungszone, wo es noch keine neue olympische Bewegung gab.

    Das Saarland

    1950 wurde das "Nationale Olympische Komitee des Saarlandes" gegründet und auf französischen Vorschlag vom IOC anerkannt. Es bestand bis zum Februar 1957, nachdem das Saarland ab 1. Januar 1957 zur Bundesrepublik gehörte, beschickte aber nur die Spiele von 1952 mit einer eigenen Mannschaft (fünf Frauen, 31 Männer).

    Der Kampf der DDR um Anerkennung

    (Siehe hierzu auch DDR-Olympiamannschaften)

    1951 gründete sich das "Nationale Olympische Komitee der Deutschen Demokratischen Republik" (der Staat DDR bestand seit 1949) und ersuchte das IOC um Aufnahme. Das IOC erkannte 1952 nur das NOK der Bundesrepublik an und empfahl die Aufstellung einer gemeinsamen Mannschaft für Helsinki 1952. Doch politische Querschüsse aus Ost-Berlin verhinderten diese Lösung. So entsandte das bundesdeutsche NOK nur westdeutsche Sportler 1952 nach Oslo und Helsinki.

    Nun begann ein langer Kampf der DDR um die olympische Anerkennung. 1954 wurde ihr Aufnahmeantrag vom IOC abgelehnt, 1955 wurde sie "provisorisch" ins IOC aufgenommen. Ende 1955 einigten sich die beiden deutschen NOKs auf Aufstellung einer gemeinsamen Mannschaft für 1956 in Cortina und Melbourne.

    Dabei blieb es dann auch 1960 in Squaw Valley und Rom und 1964 in Innsbruck und Tokio, wobei es stets harte "deutsch-deutsche" Qualifikationskämpfe um die Olympiaplätze gab.

    Die Einigung

    Der nahezu 15 Jahre dauernde innerdeutsche Funktionärs-Konflikt endete schließlich am 6. Oktober 1965. Auf seiner Session in Madrid trennte das IOC die gesamtdeutsche Mannschaft und ließ für Grenoble und Mexico City 1968 zwei Mannschaftsteile zu, die allerdings unter derselben Fahne (Schwarz-Rot-Gold mit den Olympischen Ringen) und mit der selben Hymne antraten.

    Einen Tag vor Beginn der Wettkämpfe in Mexiko entfielen die letzten Beschränkungen:

    Für 1972 wurde der DDR eine eigene Mannschaft mit eigenem Emblem und eigener Fahne und Hymne zugestanden. 1968 in Grenoble und Mexico City gab es also erstmals zwei getrennte deutsche Mannschaften, die aber unter gleichen Symbolen antraten.

    Das Aufgebot der DDR musste sich "Ostdeutschland" nennen. Von 1972 an kämpften nun die Sportler beider deutscher Staaten bis 1988 getrennt, ehe es 1992 auch zur olympischen Wiedervereinigung kam.