Dopingfälle

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Einleitung

    Doping, d.h. die Einnahme verbotener Mittel zur Steigerung der Leistungsfähigkeit, ist so alt wie die Geschichte sportlicher Wettkämpfe. Heldenstatus und Unsterblichkeit erreichen Sportler durch Siege - und greifen dafür nicht selten zu verbotenen Mitteln.

    In jüngerer Zeit machen vor allem Dopingfälle mit Anabolika und ähnlichen leistungssteigernden Substanzen Schlagzeilen; aber auch dubioses "Doping" schrieb olympische Geschichte. Die Frage, die sich die Sportwelt in Nagano 1998 zu stellen hatte, lautete nämlich: Ist Marihuana-Konsum vor sportlichen Wettkämpfen als Doping zu werten?

    Bekannte, skandalöse und kuriose Fälle

    Moderner Fünfkampf - Alkohol im Blut

    In Mexico City 1968 wurde der Schwede Gunnar Liljenvall als erster Fünfkämpfer in der Geschichte wegen "Drogenmissbrauchs" (Alkohol) disqualifiziert; dies kostete sein Team die Bronzemedaille.

    Ben Johnson - der schnellste Mann dank Anabolika

    Seoul 1988: Einer der mit größter Spannung erwarteten Wettkämpfe war der 100 -Sprint der Männer - ein Kampf der Giganten zwischen dem Kanadier Ben Johnson und Carl Lewis. Johnson gewann in der Weltrekordzeit von 9,79 Sekunden. Zwei Tage nach seinem Triumph platzte die Bombe: Ben Johnson wurde des Konsums des unerlaubten Dopingmittels Stanozolol überführt, die Goldmedaille wurde ihm aberkannt, zwei Jahre Sperre ausgesprochen. Ein Dopingfall, der die Sportwelt erschütterte.

    Ross Rebagliati: Marihuana-Konsum - Klischeebestätigung in der In-Sportart Snowboard

    In Nagano 1998 zum ersten Mal olympisch: das Snowboarden. Als hätten es Lästermäuler heraufbeschworen: Die In- und Fun-Sportart trug mit dem Fall "Rebagliati" zur eigenen Klischee-Bestätigung bei, wurde beim Olympiasieger in der Disziplin Riesenslalom doch der Konsum von Marihuana nachgewiesen. Die positive Probe des Kanadiers blieb gemäß Entscheid des internationalen Sportgerichtshofes (CAS) ohne Konsequenzen.

    Die Frage, die sich die Fachwelt stellte und immer noch stellt: Welche Wirkung wollen Sportler mit dem Cannabis-Konsum erzielen? Denn Cannabis-Konsum wirke sich, so die Analysen, eher leistungsbremsend aus. Doch bei genauerer Betrachtung ist festzustellen: Auf die richtige Dosis kommt es an. Stressbewältigung und Steigerung der Risikofreudigkeit seien nach neuesten Erkenntnissen durchaus als positiver Effekt zu werten. Nachdem nun auch in anderen Sportarten vermehrt Fälle dieser Art aufgetreten sind, wird das Problem auch in Zukunft zu beobachten und eventuell mit Konsequenzen zu ahnden sein.

    Dieter Baumann - vom Dopingverdacht freigesprochen

    Der erfolgreichste weiße Langstreckenläufer der letzten Jahre geriet in jüngster Zeit in die Schlagzeilen. Dem engagiert gegen Dopingmissbrauch kämpfende Sportler wurden unerlaubte Mittel nachgewiesen. Es begann ein langer Kampf gegen die Behörden, Baumann wollte seine Unschuld beweisen, Sabotage stand im Raum. Die Nachforschungen ergaben Kurioses: Baumanns Zahnpasta soll präpariert worden sein.

    Mitte Juli 2000 wurde Baumann in einem Urteil des unabhängigen Rechtsausschusses vom Dopingverdacht freigesprochen. Laut Urteilsbegründung basiere die Entscheidung des Rechtsausschusses vorrangig auf den Versäumnissen im Zusammenhang mit Entnahme, Lagerung und Transport der beiden Urinproben Dieter Baumanns vom 19. Oktober 1999 und vom 12. November 1999. Dies wurde als Entlastung für den Athleten gewertet. Dieter Baumann war somit für nationale Veranstaltungen wieder startberechtigt. Der Dopingfall Dieter Baumann wurde in Sydney vor dem Obersten Sportgerichtshof CAS des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) verhandelt.

    Der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) sperrte Baumann jedoch bis zum 21. Januar 2002 und hob die Sperre nicht vorzeitig auf; damit hatte Baumann auch keine Teilnahmeberechtigung für Sydney 2000.

    Johann Mühlegg - der gefallene Held der Langlaufloipe

    Er hätte einer der Stars der Spiele von Salt Lake City werden können. Zwei Goldmedaillen im Langlauf hatte der für Spanien startende gebürtige Allgäuer bereits gewonnen, mit der dritten über 50 km war er endgültig in unerreichbare Ferne für die Konkurrenz gerückt. Doch dann der Schock: Mühlegg konnte für seinen letzten Start die Einnahme des Blutdopingmittels Darbepoetin nachgewiesen werden. Der positive Befund führte zur Aberkennung der dritten Goldmedaille, die beiden zuvor gewonnen blieben vorerst in Mühleggs Besitz, wurden ihm jedoch Ende 2003 aberkannt. Mühlegg beschloss daraufhin trotz des baldigen Ablaufs seiner Dopingsperre nicht mehr in die Loipe zurückzukehren.