Eisschnelllauf

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Eisschnelllaufen ist ein Wettkampf auf dem Eis, bei dem auf verschiedenen Distanzen der schnellste Sportler auf Schlittschuhen ermittelt wird.


    Regeln in Kürze

    Gelaufen wird paarweise (nach Auslosung, auch der Innenbahn) auf einer 400 m-Ovalbahn, heute ausschließlich auf Kunsteis in Hallen.

    Die Bahn

    Die markierten Bahnen sind ca. 5 m breit, die Gerade etwa 100 m lang. Auf der Gegengeraden wechseln die Läufer von der Innenbahn zur Außenbahn und umgekehrt.

    Das Material

    Die Schlittschuhe sind Spezialanfertigungen mit etwa 40 cm langen Kufen. Die Läufer tragen eng anliegende, windschlüpfrige, einteilige Anzüge mit eingearbeiteter Kappe. Beim zweiten Fehlstart erfolgt Disqualifikation.

    Olympisch werden im Gegensatz zu anderen Titelkämpfen Medaillen nur für Einzelstrecken (nicht für den errechneten Mehrkampf) vergeben.

    Wettkampfdisziplinen

    Männer: 500 m, 1000 m, 1500 m, 5000 m und 10 000 m

    Frauen: 500 m, 1000 m, 1500 m und 3000 m

    Hinzu kommt die Team-Verfolgung, die bei den Männern über eine Distanz von acht (3 200 m), bei den Frauen über sechs Runden (2 400 m) angesetzt ist. In Ausscheidungsrunden treten dabei je zwei Teams mit je drei Läufern gegeneinander an. Das Team mit der besseren Gesamtzeit, die bei Überquerung der Zielline durch den letzten der drei Läufer genommen wird, siegt.

    Kurioses

    Erhard Keller räumte nach seinem Sieg in Grenoble freimütig ein, dass wahrscheinlich der amerikanische Favorit McDermott gewonnen hätte, wenn er nicht als letzter Ausgeloster so schlechte Eisverhältnisse gehabt hätte.

    Als es 1972 noch nur vier Wettbewerbe gab, hatte der Holländer Ard Schenk beste Chancen, alle zu gewinnen. Aber er stürzte über die 500 m und so wurden es "nur" drei Goldmedaillen.

    Der Norweger Hjalmar Andersen, dreifacher Olympiasieger in Oslo 1952, gewann die 10 000 m mit 25 Sekunden Vorsprung, dem größten Abstand zum Zweiten, den es je bei Olympia gab.

    Christa Luding-Rothenburger (DDR) holte sich in Sarajevo 1984 Gold über die 500 m - und vier Jahre später in Seoul 1988 Silber im Radsprint, also Medaillen im Sommer und Winter, eine ganz seltene olympische Leistung.

    Geschichte der Sportart

    Schlittschuhlaufen wurde bereits im 17. Jahrhundert in Europa betrieben, in Holland ab etwa 1680, für etwa 1770 sind nationale Rennen über lange Strecken auch für England nachgewiesen. Über Holland breitete sich das Eisschnelllaufen nach Skandinavien aus und wurde von ausgewanderten Norwegern in den USA bekannt gemacht.

    Weltmeisterschaften für Männer gibt es seit 1889, die Frauen folgten mit internationalen Wettbewerben 1936.

    Olympische Geschichte

    Olympisch war die Sportart schon bei den ersten Winterspielen in Chamonix 1924 mit fünf Wettbewerben (einschließlich Mehrkampf), allerdings nur für Männer. Das 1000 m-Rennen kam in Innsbruck 1976 hinzu.

    Frauen zeigten ihre Künste als Demonstrationssportart in Lake Placid 1932 und mussten dann bis Squaw Valley 1960 warten, ehe auch sie Medaillen bekamen, in Calgary wurde das Rennen über 5000 m eingeführt.

    Olympische Erfolge

    Wegen der vielen Startmöglichkeiten gehören Eisschnellläufer (wie die Langläufer) zu den Rekord-Medaillensammlern. Die Stars vor dem Zweiten Weltkrieg waren der Finne Clas Thunberg mit fünf und der Norweger Ivar Ballangrud mit vier Goldmedaillen.

    Die erfolgreichsten Frauen sind neben Lydia Skoblikowa aus der UdSSR, die zwischen 1960 und 1964 insgesamt sechs Goldmedaillen gewann, die Athletinnen aus der DDR (so z.B. Karin Kania-Enke und Andrea Ehrig). Eine der erfolgreichsten Eisschnellläuferinnen der letzten Jahre ist Gunda Niemann-Stirnemann.

    Eric Heiden (USA) erzielte in Lake Placid 1980 einen einsamen Rekord, indem er sämtliche Goldmedaillen gewann, die zu vergeben waren. Seine Landsfrau Bonnie Blair gewann zwischen 1988 und 1994 fünfmal Gold und einmal Bronze.

    Der erste deutsche Mann, der eine olympische Medaille erringen konnte, und die gleich in Gold, war der Münchner 500 m-Sprinter Erhard Keller in Grenoble 1968. Seinen Sieg wiederholte er vier Jahre später in Sapporo, wo die Münchnerin Monika Pflug die erste und einzige bundesdeutsche Frauen-Medaille gewann (in Gold über 1000 m). Kellers Kunststück, den Sieg in Folge über 500 m, machte Uwe Jens Mey nach, in Calgary 1988 und in Albertville 1992.

    Mit dreimal Gold in Lillehammer 1994 war der Norweger Johan Koss (schon vier Jahre zuvor Gold und Silber) der Held der Spiele.


    Weblinks

    Deutsche Eislauf-Union (DEU)

    Friesinger, Anna Christina

    Niemann-Stirnemann, Gunda

    Garbrecht-Enfeldt, Monique