Fackellauf 2012 nur in Großbritannien

Aus Olympia-Lexikon.de

8. November 2011  |  Kommentare: 3

Wie das Organisationskomitee (LOGOC) gestern bekannt gab, wird die Olympische Fackel 2012 nicht wie gewohnt durch die ganze oder zumindest halbe Welt getragen, sondern bestreitet ihren Weg ausschließlich innerhalb Großbritanniens. 8.000 Meilen in 70 Tagen werden die Träger der symbolträchtigen Flamme insgesamt zurücklegen, bis sie am 27. Juli das im Olympischen Stadion das Feuer entzündet.

Bereits 2009 hatte das IOC als Reaktion auf die Ausschreitung im Vorfeld der Olympischen Spiele in Peking 2008 beschlossen, den Fackellauf zukünftig auf das jeweilige Gastland zu beschränken. Menschenrechtsaktivisten hatten den Lauf massiv gestört, um auf Missstände in China aufmerksam zu machen. Die Flamme war im Zuge des Protestes mehrfach erloschen. Der Beschluss des IOC, den Lauf zu beschränken, ist zwar erst ab 2016 verbindlich, die Veranstalter in London folgen ihm aber bereits jetzt freiwillig. Zur Gewährleistung der Sicherheit werden zudem vermutlich elf Fahrzeuge den Fackellauf ständig begleiten.

Statt auf Internationalität setzt das Organisationskomitee 2012 auf nationale Attraktionen und kreative Transportarten. 8.000 Läufer werden die Fackel ab dem 18. Mai je eine Meile durch das Königreich tragen, das sind 13.000 Kilometer insgesamt. Auf ihrem Weg liegen natürlich die wichtigsten nationalen Sehenswürdigkeiten, unter anderem Stonehenge, Loch Ness, der höchste Berg Wales "Mount Snowdon" und der Giant's Causway. Vor der Entzündung des Olympischen Feuers wird die Flamme zudem eine Nacht im London Tower verbringen. Transportiert wird sie dabei unter anderem in der Straßenbahn, einem Heißluftballon, der Eisenbahn, einem Kanalboot und im Beiwagen eines Motorrads.

Trotz dieser sicherlich kurzweiligen Ideen (die in Sachen Kuriosität zwar nicht unbedingt an die virtuelle Übertragung per Satellit 1976, die Übergabe während eines Fallschirmsprungs 1994 oder durch Taucher 2000 heranreichen) scheinen sich die Veranstalter Sorgen zu machen, ob die Beschränkung des Laufs auf Großbritannien mit dem bisherigen Großaufgebot an internationalen Stationen mithalten kann. Die Strecke wurde extra so gelegt, dass sie von möglichst vielen Briten leicht erreichbar ist - 95% der Bevölkerung haben höchstens eine Stunde Anfahrt. Das Komitee hofft, den Fackellauf so zu einem ähnlich gut frequentierten Ereignis wie die Hochzeit von William und Kate avancieren zu lassen.

Auch wenn man es den Veranstaltern wünscht, darf bezweifelt werden, ob es gelingt, das Olympische Flair durch einen rein nationalen Lauf aufkommen zu lassen. Immerhin ist der Fackellauf ein traditionelles Symbol der Verkündung der anstehenden Friedenszeit zwischen den Völkern während der Olympischen Spiele – und als solches auf Internationalität angewiesen. Dass die Route des Laufs nach langen Diskussion nun scheinbar endgültig auch nicht durch Irland führen wird, ist zudem für viele eine Enttäuschung, die darin ein Signal gesehen hätten, den Friedensgedanken des Fackellaufs trotz der Einschränkungen aufzugreifen.

Bild: Ausschreitung beim Fackellauf 2008 in Paris; Copyright

Kommentare

Melanie B.
04.01.2012 - 13:33
Echt typisch! Bisschen Trubel und schon wird alles gecancelled! Hoffe, das ändert sich wieder bei den nächsten Spielen.
dust
08.11.2011 - 20:25
is ja echt komisch. das ist irgendwie nicht Olympia. hab das 2009 gar nicht mitbekommen!
Andii
08.11.2011 - 19:32
Ich finde das nicht besonders toll, dass man das jetzt auf das Gastgeberland beschränkt. Das war ja wohl eine besondere Situation mit Peking und ich hab die Aktivisten damals auch irgendwie verstanden. Deswegen muss man doch jetzt nicht den internationalen Gedanken kaputt machen!