Fechtsport

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    Fechten ist eine Zweikampfsportart mit Degen, Florett oder Säbel auf einer Fechtbahn; in spezieller Schutzkleidung ausgetragene Wettbewerbe.

    Regeln in Kürze

    Die Waffen

    • Florett: Das Florett ist eine Stoßwaffe, wiegt maximal 500 g und ist insgesamt 110 cm (Klinge 90 cm) lang. Treffer dürfen nur mit der Klingenspitze am Rumpf des Gegners (nicht Arme und Kopf) erzielt werden.
    • Degen: Auch der Degen ist eine Stoßwaffe, wiegt 770 g und ist 110 cm (Klinge 90 cm) lang. Getroffen werden darf jeder Punkt am Körper.
    • Säbel: Der Säbel ist eine Hieb- und Stoßwaffe, unter 500 g schwer und 105 cm (Klinge 88 cm) lang. Treffer mit Spitze und Schneide können am Oberkörper (einschließlich Kopf und Arme) gesetzt werden.Die Waffen der Frauen entsprechen denen der Männer.

    Wichtigste Regeln

    Fechten

    Ein Fechtkampf (Einzel) wird über drei dreiminütige Runden ausgetragen. Es gewinnt derjenige Fechter, der zuerst 15 Treffer setzen kann oder nach Ablauf der Kampfzeit mehr Treffer für sich verbuchen kann als der Gegner. Bei den Mannschaftswettbewerben treten pro Team drei Fechter an, die in neun nacheinander ausgetragenen Teilbegegnungen aufeinander treffen. Sieger ist die Mannschaft, der es gelingt, zuerst 45 Treffer zu setzen bzw. die am Ende der Kampfzeit die größere Anzahl an Treffern erzielt hat. Dabei ist die elektrische Trefferanzeige für Florett und Degen schon seit Jahrzehnten üblich, für Säbelfechter wurde sie in Barcelona 1992 eingeführt.

    Wettkampfarten

    Im Fechten gibt es folgende Wettbewerbe (Peking 2008):


    Florett: Männer-Einzel, Frauen-Einzel, Mannschaft Männer


    Säbel: Männer-Einzel, Frauen-Einzel, Mannschaft Männer, Mannschaft Frauen


    Degen: Männer-Einzel, Frauen-Einzel, Mannschaft Männer

    Kurioses

    Die Brüder Dario und Eduardo Mangiarotti gewannen in Helsinki 1952 Gold und Silber mit dem Degen. Das schafften auch schon ihre Landsleute Nedo und Aldo Nadi in Antwerpen 1920 mit dem Säbel.

    Die aus Ungarn stammende erfolgreichste Fechterin Idilko S'agin'e-Ujlakin'e-Rejtö wurde taub geboren und gewann Medaillen unter drei verschiedenen Namen.

    Mit der deutschen Mannschaft holte Monika Weber-Koszto in Barcelona 1992 Florett-Silber. Als Monica Veber-Koszto hatte sie die gleiche Medaille acht Jahre zuvor in Los Angeles 1984 mit der rumänischen Mannschaft gewonnen.

    Geschichte der Sportart

    Sechs Goldmedaillen bei vier olympischen Spielen (1948 bis 1960) erkämpfte sich der ungarische Säbelfechter Rudolf Karpati.

    Fechten gehört neben Boxen und Ringen naturgemäß zu den frühesten Zweikampf-Wettbewerben der Menschen und ging aus dem kriegerischen Fechten mit dem Schwert als Trainings- oder Spielform hervor. Eine Art sportliches Fechten betrieb man schon zu ältesten Zeiten in Ostasien mit blanken Waffen und in Afrika und Japan mit Stöcken. Die Antike kannte Fechtschulen, und im Römischen Reich des Augustus liebte die Jugend das Schaufechten.

    Mit der Erfindung des Schießpulvers im 15. Jahrhundert verlor das schwere Schwert seine Bedeutung, und es kam das Fechten mit leichten Waffen auf, für das es bald einheitliche Regeln und Lehrbücher (zuerst 1410 in Italien) gab. Von Italien ausgehend erlebte dann das Florettfechten in Frankreich seine erste Blütezeit, Gesichtsmasken machten es gefahrloser. 1570 erfand der Franzose Henri Saint Didier die meisten Fechter-Fachausdrücke, die auch heute noch verwendet werden.

    In Deutschland, das sich mit den Italienern um die Urheberschaft des sportlichen Fechtens streitet, wurde es vor allem an den Universitäten betrieben, verlor aber durch die studentische Mensur (blutige "Hiebe") seinen sportlichen Charakter. Eine Förderung erfuhr das Fechten dann wieder durch die Turnerbewegung im 19. Jahrhundert. 1862 entstand der erste Fechtklub in Hannover, und 1896 fanden die ersten Meisterschaften statt.

    Olympische Geschichte

    Olympisch zählt Fechten zu den "Gründungs-Sportarten" von Athen 1896. In Athen standen drei Wettbewerbe auf dem Programm, Säbel, Florett und Florett für Fechtmeister. Das Degenfechten kam in Paris 1900 dazu. Einige Wettbewerbe aus der Frühzeit wurden gestrichen.

    Ebenfalls in Antwerpen feierten die Fechterinnen ihren olympischen Durchbruch, erstmals durften sie, aber nur im Florett-Einzel, um Medaillen kämpfen. In Atlanta 1996 traten die Frauen auch erstmals mit dem Degen an. Schließlich wurde in Athen 2004 auch das Säbelfechten der Frauen ins Olympische Programm aufgenommen.

    Olympische Erfolge

    Der erfolgreichste Fechter ist der Italiener Eduardo Mangiarotti, der zwischen 1936 und 1960 mit Florett und Degen 13 Medaillen (6/5/2) gewann.

    An zweiter Stelle folgt der Ungar Aladar Gerevich mit zehn Medaillen, der zwischen 1932 und 1960 als Säbelfechter gleich sieben Mal Gold (sechs mit der Mannschaft), einmal Silber und zweimal Bronze holte. Er hält einen einmaligen Rekord: Bei sechs aufeinander folgenden Spielen (unterbrochen vom Zweiten Weltkrieg) wurde er Olympiasieger.

    Die erfolgreichste Fechterin ist die Italienerin Giovanna Trillini, die sich zwischen 1992 und 2008 acht Medaillen sicherte. Ihre vier Jahre jüngere Vereinskollegin Valentina Vezzali holte sich bislang sieben Medaillen, ebenso wie die Ungarin Ildikó Ujlakiné-Rejto zwischen 1960 und 1976.

    Die deutschen Fechterinnen und Fechter weisen eine erfolgreiche Olympiabilanz auf: Helene Mayer holte vor dem Zweiten Weltkrieg Gold 1928 und Silber 1936 und ist mit ihren damals 17 Jahren die jüngste Olympiasiegerin aller Zeiten im Fechten.

    In Seoul 1988 gelang den deutschen Damen ein legendärer Dreifachsieg mit Anja Mauritz-Fichtel an der Spitze vor Sabine Bau und Zita Funkenhauser.

    Das heutige IOC-Mitglied Thomas Bach war in Montreal 1976 mit dem Florett-Team Goldmedaillengewinner. Als einziger Fechter aus der DDR gewann Udo Wagner eine Medaille, in Seoul 1988 Silber mit dem Florett. In Barcelona 1992 kämpfte er im siegreichen deutschen Florett-Team.

    Den Fechtsport dominierten bislang deutlich Sportler aus Frankreich und Italien. Deutschland, die Erfolge der DDR mit eingerechnet, errang bisher 39 Medaillen. In Peking 2008 konnten sich die Deutschen gleich über zwei Goldmedaillen freuen. Britta Heidemann gewann im Degen, Benjamin Kleibrink im Florett.

    Olympische Highlights

    Das erfolgreichste Brüderpaar im olympischen Sport überhaupt sind die italienischen Fechter Aldo und Nedo Nadi, die zwischen 1912 und 1920 zusammen neun Mal Gold und ein Mal Silber erfochten. Nedo Nadi wurde 1920 fünf Mal Olympiasieger.