Garmisch-Partenkirchen 1936

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Ivar Ballangrund, Norwegens mehrfacher Medaillengewinner im Eisschnelllauf.

    Vierte Olympische Winterspiele

    Vom 6. bis 16. Februar. 80 Frauen und 675 Männer aus 28 Ländern nahmen an 17 Wettbewerben in sechs Sportarten teil.

    Programm

    Sechs Sportarten standen auf dem Programm:

    Alpiner und nordischer Skisport, Eisschnelllauf, Eiskunstlauf, Bob und Eishockey.

    Erstmals war auch der Alpine Skisport vertreten, allerdings nur mit einer Kombination aus Abfahrt und Slalom, deren Einzelrennen für die Medaillen zusammengerechnet wurden. Neu war auch die 4 x 10-km-Langlaufstaffel.

    Austragungsort

    Die Frage, die sich im Vorfeld stellte, lautete: Wie würde sich das neue nationalsozialistische Regime, seit drei Jahren an der Macht, auf Olympia auswirken, wie seine in Nürnberg beschlossenen Rassengesetze gegen die Juden? Da die Nazis auf einen internationalen Prestigeerfolg aus waren, wie auch im Sommer in Berlin, hielten sie sich weitgehend zurück. So durfte der Jude Rudi Ball im Eishockeyteam mitspielen. IOC-Präsident Henri Baillet-Latour sorgte in einem persönlichen Gespräch mit Adolf Hitler dafür, dass die diskriminierenden Schilder mit der Aufschrift "Für Hunde und Juden verboten" verschwanden.

    Medaillenbilanz

    Die Norweger holten sich insgesamt die meisten Medaillen (total 15, 7/5/3) vor Schweden (7, 2/2/3), wobei sie in den nordischen Wettbewerben alle vorderen Ränge belegten. Deutschland stellte mit sieben Frauen und 70 Männern sein bisher größtes Team bei Winterspielen. In der Medaillenbilanz gewann die deutsche Mannschaft je dreimal Gold und Silber.

    Vergleiche Medaillenspiegel Garmisch-Partenkirchen 1936.

    Erfolge

    Der Norweger Birger Ruud, nach 1928 zum zweiten Mal Olympiasieger im Skispringen, gewann auch die Kombinations-Abfahrt. Aber Ruud war zu schwach im Slalom, den der Deutsche Franz Pfnür überlegen und damit auch Gold gewann.

    Ähnlich bei den Frauen: Die erst 16-jährige Norwegerin Laila Nilsen nahm der Deutschen Christl Cranz, die stürzte, 19 Sekunden in der Abfahrt ab. Doch Christl Cranz war im Slalom 21 Sekunden schneller als die Konkurrenz und gewann Gold. Laila Nilsen, die als Eisschnellläuferin fünf Weltrekorde hielt, wurde immerhin noch Dritte, war nur gestartet, weil ihre Disziplin für Frauen (noch) nicht olympisch war.

    Im Eisschnelllaufen holten sich die Norweger alle Goldmedaillen, davon Ivar Ballangrud als erfolgreichster Athlet drei.

    Für einen ungewöhnlichen Erfolg sorgte der Eiskunstläufer Ernst Baier, der in der Einzelkonkurrenz hinter dem Österreicher Karl Schäfer (Sieger in Lake Placid 1932) Silber gewann und dann mit der erst 15jährigen Maxie Herber im Paarlaufen siegte. Zum dritten Mal hintereinander siegte die Eiskünstlerin Sonja Henie und wurde nach den Spielen Profi, auch im Film.

    Die größte Überraschung lieferte das Eishockeyturnier: England siegte vor Monopolinhaber Kanada. Generalsekretär John Ahearne, später mächtiger internationaler Eishockey-Boss, war auf die Idee gekommen, in Kanada spielende, gebürtige Engländer für sein Team zu rekrutieren. Der kanadische Protest nützte nichts.

    Fazit

    Trotz der politischen Situation in Deutschland wurden die Winterspiele von Garmisch-Partenkirchen die bisher erfolgreichsten, mit Rekordbeteiligungen und sehr großem Zuschauerinteresse. Man zählte rund eine halbe Million Besucher, so viele wie nie zuvor.