Gewichtheben

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    Gewichtheben

    Gewichtheben ist eine Kraftsportart, bei der die Sportler versuchen (maximal dreimal), eine mit Gewichten versehene Hantel zur Hochstrecke zu bringen. Der Wettkampf wird in den Disziplinen Reißen und Stoßen bzw. einer Kombination aus beiden (olympischer Zweikampf) ausgeführt (siehe Regeln in Kürze).

    Regeln in Kürze

    Olympischer Zweikampf

    Besteht aus Reißen und Stoßen, deren Leistungen für den Gesamtsieg addiert werden. Medaillen gibt es nur für die ersten Drei im Zweikampf.

    Reißen

    Beim Reißen muss die Hantel in einem Zug vom Boden nach oben geführt und über dem Kopf so lange gehalten werden, bis der Kampfrichter ein Zeichen gibt. Die drei Kampfrichter bewerten den korrekten Ablauf und fällen ihre Entscheidung für gültig oder nicht.

    Stoßen

    Beim Stoßen wird die Hantel zunächst in einer Bewegung auf Brusthöhe gebracht und darf auf Schlüsselbein, Brust oder vollständig gebeugten Armen ruhen. In einem zweiten Bewegungsablauf wird sie dann nach oben gestoßen und dort wie beim Reißen eine Zeitlang mit gestreckten Armen fixiert. Beine und Füße dürfen dabei bewegt werden.

    Der Heber hat für jedes Gewicht maximal drei Versuche; er kann für das nächste Gewicht beliebig steigern, aber mindestens um halbes Kilo oder ein Mehrfaches davon. Zwischen dem Betreten der Bühne und dem Beginn des Hebens hat er 60 Sekunden Zeit.


    Gewichtsklassen

    Wettkämpfe werden in folgenden Klassen ausgetragen:

    Männer: -56 kg, 56-62 kg, 63-69 kg, 70-77 kg, 78-85 kg, 86-94 kg, 95-105 kg, +105 kg

    Frauen: -48 kg, 49-53 kg, 54-58 kg, 59-63 kg, 64-69 kg, 70-75 kg, +75 kg

    Das Problem Doping

    Kaum eine andere Sportart war so in den Teufelskreis von Drogenmissbrauch und falsch verstandener "ärztlicher Betreuung" einbezogen. Es kam zu vielen Skandalen und Disqualifikationen (Doping). Deshalb gab es auch ab Atlanta 1996 eine Radikalkur. Um die "Drogen-Rekorde" vergangener Jahre zu eliminieren, wurden die Gewichtsklassen neu eingeteilt. Jedoch mussten auch in der Folgezeit zahlreiche Gewichtheber vom Wettkampf ausgeschlossen werden, nachdem sie positiv getestet worden waren.

    Kurioses

    In der Anfangszeit des olympischen Hebens galt die Devise: Hauptsache das Gewicht kommt nach oben. Einzige Regel: Die Füße durften nicht bewegt werden.

    Rudolf Plukfelder (Sowjetunion) wurde mit 36 Jahren noch Olympiasieger in Tokio 1964 und Norbert Schemansky war gar 40 Jahre alt, als er 1964 noch eine Medaille gewann.

    Naim Süleymanoglu wurde als Naim Suleimanov in Bulgarien geboren und und schaffte mit 14 Jahren seinen ersten Weltrekord. Dann sollte er auf Wunsch der Behörden seinen türkischen Namen in Naum Shalamanov ändern. Er floh in die Türkei, nannte sich nun Süleymanoglu und wurde im Bantamgewicht sowohl in Seoul 1988 als auch in Barcelona 1992 und Atlanta 1996 Olympiasieger.

    In Barcelona 1992 weigerte sich Ibrahim Samadow (GUS), die Bronzemedaille anzunehmen (er hatte wie die ersten Zwei 370 kg in der 82,5 kg-Klasse gehoben), weil ihn angeblich die Zuschauer am Gewinn des Goldes gehindert hatten. Er wurde disqualifiziert, von den Olympischen Spielen ausgeschlossen und auf Lebenszeit gesperrt.

    Der Amerikaner Paul Anderson, das Heber-As seiner Zeit, war in Melbourne 1956 als hoher Favorit überraschend leistungsgleich (je 500 kg) mit dem Argentinier Selvetti und bekam das Gold nur, weil er mit 138 kg etwas weniger wog.

    Geschichte der Sportart

    Bereits im 18. Jahrhundert traten Gewichtheber besonders in England als Berufssportler im Schaustellergeschäft auf. Schon 1891 wurde der erste Gewichtheber-Verband der Welt, der Deutsche Athletenbund (DAB), gegründet. Seit 1893 werden deutsche, seit 1896 europäische und seit 1905 Weltmeisterschaften ausgetragen.

    Starre Hanteln oder Gewichte hemmten die Entwicklung, bis der Deutsche Karl Berg (1910) die Scheibenhantel erfand, also eine Stange, an der man variabel Gewichte in Scheibenform anbringen kann.

    Olympische Geschichte

    Superschwergewicht Rudolf Mang bei den Olympischen Spielen in München 1972.

    Das Gewichtheben ist seit Beginn der modernen Spiele olympische Disziplin. In Athen 1896 hob man in zwei Wettbewerben einarmig und beidarmig ohne Beschränkung des Körpergewichts. Später gab es eine ganze Reihe von Variationen.

    Ordnung kam in das Gewichtheben ab Antwerpen 1920 (in Stockholm 1912 fehlte die Sportart völlig), als man fünf Gewichtsklassen einführte (Feder, Leicht, Mittel, Halbschwer und Schwer) und einen Dreikampf bestritt, für den die Leistungen aus einarmigem Reißen und Stoßen sowie aus beidarmigem Stoßen addiert wurden.

    In Paris 1924 trug man dann in diesen fünf Gewichtsklassen gar einen Fünfkampf aus, für den die Leistungen aus beidarmigem Drücken (wie Stoßen, aber Beine und Füße dürfen nicht bewegt werden), Reißen und Stoßen sowie aus einarmigem Reißen und Stoßen zusammengezählt wurden.

    Ab Amsterdam 1928 kämpften dann die Athleten weiterhin in fünf Gewichtsklassen im für lange Jahre üblichen olympischen Dreikampf, bestehend aus beidarmigem Drücken, Reißen und Stoßen.

    Das Drücken, dessen korrekter Ablauf nur schwer beurteilt werden konnte und das auch sportmedizinisch umstritten war, wurde für Montreal 1976 gestrichen, und ab da gilt bis heute der olympische Zweikampf aus Reißen und Stoßen.

    Zwischenzeitlich existierten bei den Olympischen Spielen bis zu zehn Gewichtsklassen: Das Bantamgewicht kam 1948 hinzu, darauf folgten Mittelschwer (1952), zweites Schwergewicht und Superschwergewicht (1972) und schließlich erstes Schwergewicht (1980). Seit 2000 werden die Wettkämpfe in acht Gewichtsklassen ausgetragen.

    Seit den 1980er Jahren finden Meisterschaften bei den Frauen statt, 2000 in Sydney waren sie zum ersten Mal bei den Olympischen Spielen beteiligt. Bei den Frauen existieren sieben Gewichtsklassen.

    Olympische Erfolge

    Die meisten Medaillen als Einzelsportler gewann der Amerikaner Norbert Schemanski im Schwer- und Superschwergewicht zwischen 1948 und 1964, bei vier Olympischen Spielen jeweils eine. Äußerst erfolgreich war auch der Türke Naim Süleymanoglu: Er wurde zwischen 1988 und 1996 dreimal in Folge Olympiasieger im Federgewicht. Dreifache Olympiasieger sind außerdem die Griechen Pyrros Dimas und Akakios Kakhiashvilis (beide 1992, 1996 und 2000), sowie der Türke Halil Mutlu (1996, 2000 und 2004).

    Erfolgreichste Nationen sind Russland/ Sowjetunion, USA und neuerdings vor allem China.

    Erfolge deutscher Gewichtheber: Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden Kurt Helbig (1928), Josef Manger und Rudolf Ismayr (1932) sowie Josef Straßberger (1936) Olympiasieger. Joachim Kunz aus der DDR siegte 1988. Weitere Olympiasiege holten Rolf Milser und Karl-Heinz Radschinsky in Los Angeles 1984, als alle Ostblockstaaten die Spiele boykottierten, sowie Ronny Weller 1992, der schon 1988 als DDR-Athlet Silber in Seoul gewonnen hatte. Der Superschwergewichtler Manfred Nerlinger war bei drei Olympischen Spielen auf dem Sprung zum Gold, wurde 1984 Dritter, 1988 Zweiter und 1992 wieder Dritter. Matthias Steiner gewann in Peking 2008 Gold im Zweikampf aus Reißen und Stoßen im Superschwergewicht und war damit der erste deutsche Olympiasieger im Gewichtheben seit Ronny Weller 1992.

    Als erste deutsche Gewichtheber nahmen Ingo Steinhöfel und Ronny Weller fünf Mal bei Olympischen Spielen teil: Nach einer Silbermedaille in Seoul 1988 konnte Ingo Steinhöfel jedoch bei den darauf folgenden vier Spielen keinen Medaillenerfolg für sich verbuchen, in Athen 2004 wurde er in der Gewichtsklasse bis 77 kg Vierter. Erfolgreicher war Ronny Weller mit vier Medaillengewinnen, darunter eine goldene. In Athen bei seiner letzten Olympiateilnahme musste er verletzt aufgeben.