Grenoble 1968

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Zehnte Olympische Winterspiele

    Vom 6. bis 18. Februar. 212 Frauen und 1 081 Männer aus 37 Ländern nahmen an 35 Wettbewerben in acht Sportarten teil.

    Programm

    Neu in das Programm gekommen war die Biathlon-Staffel der Männer.

    Austragungsort

    Grenoble war vom IOC im dritten Wahlgang vor Calgary und Lahti als Olympiaort bestimmt worden und litt dann unter sehr schlechten Wetterbedingungen mit Wind, Regen, Föhn oder Nassschnee.

    Es wurden die bis dahin größten und teuersten Winterspiele mit rund einer Milliarde Franc Kosten und weiten Wegen zu den Sportstätten. 3000 Journalisten berichteten, das Fernsehen war immer dabei und 20 000 Helfer arbeiteten mit.

    Medaillenbilanz

    In der Medaillenzahl übertrumpften diesmal die Norweger (6/6/2) die UdSSR (5/5/3).

    Vergleiche Medaillenspiegel Grenoble 1968.

    Stars

    Star der Spiele war ohne Zweifel der Franzose Jean-Claude Killy, der wie Toni Sailer 1956 alle drei Alpinen Skiwettbewerbe gewann.

    Erfolge

    Große Erfolge gab es für die DDR-Sportler (zum ersten Mal traten zwei getrennte deutsche Mannschaften an): Im Rennrodeln konnte ein Dreifachsieg erzielt werden; Gabi Seyferth gewann im Eiskunstlauf Silber und Andreas Kunz Bronze in der Nordischen Kombination.

    Auch die bundesdeutschen Athleten konnten sich in die Liste der Medaillengewinner einreihen: Die Stars der Mannschaft hießen beide Keller: Franz Keller machte es Georg Thoma (1960) nach und gewann die Nordische Kombination. Erhard Keller siegte im 500 m-Sprint der Eisschnelläufer, was einem Deutschen noch nie gelungen war. Die Rodlerinnen Christa Schmuck und Angelika Dünhaupt gewannen (nach Disqualifikation der führenden DDR-Rodlerinnen) Silber und Bronze.

    Haarscharf und mit viel Pech am Gold vorbei schrammte der Zweierbob Floth/Bader. Es siegte der Italiener Eugenio Monti, der auf der gefährlichen Bahn in Alpe d´Huez endlich sein ersehntes Olympia-Gold gewann (und zwar im Einer und Zweier).

    Im besten Eishockeyspiel aller Olympiaturniere schlug die CSSR die UdSSR 5:4, vergab dann aber alle Chancen gegen Schweden (2:2) und wurde hinter den Sowjets nur Zweiter.

    Skandale

    Die Rennen im Alpinen Skisport wurden von allerlei Querelen begleitet (unter anderem Amateurfrage). Zum Eklat kam es im Slalom, bei dem es "drei Sieger" gab: Zuerst den Norweger Mjoen, der aber wegen Torfehlers disqualifiziert wurde; dann den Österreicher Karl Schranz, der nach Behinderung im zweiten Lauf nochmals starten durfte und Gesamtschnellster war. Doch es stellte sich heraus, dass er schon vor der Behinderung einen Torfehler begangen hatte. Proteste, Gegenproteste, Einvernahmen, Studium der Filme - nach sechs Stunden hieß der Sieger Killy, 0,09 Sekunden vor dem Österreicher Huber.

    Für einen Skandal sorgte das DDR-Rodelteam, als seine Rodlerinnen bei Doppelführung nach dem zweiten Lauf wegen Anwärmens der Kufen disqualifiziert wurden.

    Fazit

    Die Spiele wurden durch den steigenden Einfluss der Sportartikelindustrie immer stärker kommerzialisiert. IOC-Präsident Avery Brundage, noch nie ein Freund der Winterspiele, kämpfte vehement gegen vermeintliche "Amateursünder" und gegen Werbung auf der Ausrüstung der Alpinen Skiläufer. Nach drohendem Chaos und Streikdrohung einigte man sich darauf, Firmenmarken zu übermalen und die Skifahrer zu "bitten", ihre Ausrüstung von Fernsehkameras und Fotografen "fernzuhalten".