Helsinki 1952

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Spiele der XV. Olympiade

    Vom 19. Juli bis 3. August. 518 Frauen und 4407 Männer aus 69 Ländern, nahmen an 149 Wettbewerben in 18 Sportarten teil.

    Programm

    Gegenüber London 1948 erhöhten sich die Wettbewerbe um 13 Disziplinen: im Modernen Fünfkampf kam die Mannschaftswertung hinzu sowie sechs Turnwettbewerbe, drei im Schießsport, zwei Gewichtsklassen im Boxen und eine im Gewichtheben.

    Schlagzeilen

    Der italienische Bahnradsportler Sacchi in Helsinki 1952 auf dem Weg zur Goldmedaille.

    In Helsinki war erstmals (seit der Russischen Revolution von 1917) die UdSSR mit einer Mannschaft vertreten. Der sowjetischen Mannschaft wurde eine ungewöhnliche Ausnahmegenehmigung zuteil: Zusammen mit den Teams aus den Ostblockländern Ungarn, Polen, Bulgarien, Rumänien und der Tschechoslowakei durfte sie in einem eigenen Olympischen Dorf wohnen.

    Die deutsche Mannschaft war nach 16-jähriger Pause wieder dabei, allerdings nur Sportler aus der Bundesrepublik. Das Saarland war eigenständig vertreten. Auch Japan wurde wieder aufgenommen.

    Carlo Pedersoli, besser bekannt als Bud Spencer, nahm ebenfalls an den Spielen teil; er schied allerdings schon im Vorlauf beim 100-m-Freistilschwimmen als Fünfter aus.

    Der erste Boykott

    Olympia erlebte den ersten olympischen Boykott. Weil die VR China zugelassen wurde, reiste die Mannschaft von Taiwan ab.

    Medaillenbilanz

    Es entwickelte sich der erwartete Gigantenkampf um die Medaillen, bei dem die Amerikaner knapp vor der UdSSR lagen. Insgesamt kamen sie auf 76 Medaillen vor der Sowjetunion (71) und Ungarn (42). In der Zahl der Goldmedaillen (40:22) lagen die USA deutlich vorn.

    Für die deutsche Mannschaft (32 Frauen und 173 Männer) gab es zum erstenmal in der Geschichte keine Goldmedaille.

    Vergleiche Medaillenspiegel Helsinki 1952.

    Stars

    Zu den großen Stars von Helsinki zählte der Tschechoslowake Emil Zatopek. Nach dem 10 000 m-Gold von 1948 gewann er diesmal über 5000 m und 10 000 m, und er fügte noch Gold im Marathonlauf hinzu, den er vorher noch nie bestritten hatte. Ehefrau Dana siegte im Speerwerfen.

    Erfolge

    Die sowjetischen Turner erwiesen sich als die erfolgreichsten Teilnehmer - allen voran Maria Gorokschowskaja (2 Gold, 5 Silber) und Viktor Tschukarin, der als überragender Athlet dieser Spiele vier Mal Gold und zwei Mal Silber gewann.

    Drei Athleten zeigten, wie man Schicksalsschläge verkraften kann. Die Dänin Lis Hartel (Silber in der Dressur) und der Amerikaner Walter Davis (Gold im Hochsprung) waren an Kinderlähmung erkrankt gewesen, der Ungar Takacz, der im Krieg die rechte Hand verloren hatte, gewann Gold im Schießen.

    Boxer Floyd Patterson, der spätere Profiweltmeister, siegte im Mittelgewicht, und Ingemar Johansson, ebenfalls später Weltmeister, wurde im Schwergewichtsfinale wegen "Feigheit" disqualifiziert (Boxen).

    Es begann die Karriere des Reiters Fritz Thiedemann (Bronze im Jagdspringen und Silber mit der Dressurmannschaft), und der 40-jährige Turner Alfred Schwarzmann gewann 16 Jahre nach siegreichen Auftritten in Berlin in Helsinki nochmals Silber.

    Fazit

    IOC-Präsident Johannes Edström nahm Abschied von seinem Amt und übergab an Avery Brundage (USA).

    Die Spiele von Helsinki blieben in sehr guter Erinnerung, und sie feierten einen wunderbaren Beginn, als Finnlands legendäre Lauf-Legenden Paavo Nurmi und Hannes Kolehmainen das olympische Feuer entzündet hatten.