Hintergründe

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Nachdem China im Jahr 2001 den Zuschlag für die Olympischen Spiele erhalten hatte, entfachten sich weltweit hartnäckige Diskussionen, ob diese Entscheidung gerechtfertigt gewesen sei. Aufgrund einiger politischer Konflikte wurde sogar zeitweise von einigen Sportlern in Betracht gezogen, die Spiele zu boykottieren.

    Tibet-Konflikt

    Tibet

    Als die Tibeter im März 2008, einige Monate vor Beginn der Olympischen Spiele, mehr Rechte und Freiheit für ihre bis 1950 unabhängige Provinz forderten, wurden die bis dahin friedlichen Aufstände von chinesischen Truppen gewalttätig niedergeschlagen. Diese Vorgehensweise rief weltweit große Empörung hervor.

    Es wird geschätzt, dass bei den Protesten etwa 200 Menschen, größtenteils tibetische Mönche, ums Leben kamen. Ausländische Journalisten und andere Mitglieder von Nichtregierungsorganisationen wurden gezwungen, das Land zu verlassen, und somit wurde jegliche westliche Berichterstattung weitestgehend unterbunden. Die chinesische Regierung warf den Tibetern vor, den Konflikt absichtlich im Vorfeld der Spiele ausgelöst zu haben, um eine möglichst große Medienaufmerksamkeit zu erzielen.

    Menschenrechte

    Das Spannungsfeld zwischen der umstrittenen Menschenrechtssituation in China und den medienwirksam inszenierten Olympischen Spielen vergrößerte sich im März 2008 auf Grund des Tibet-Konflikts zusehends. Der Slogan „One World, One Dream“ erschien angesichts dessen vielen als Ironie.

    Chinas Hinrichtungsquote ist noch immer die Höchste der Welt. Es wird angenommen, dass jedes Jahr zwischen 8.000 und 10.000 Menschen zum Tode verurteilt werden. Nicht selten ist dabei die Schuld des Verurteilten nicht zweifelsfrei nachgewiesen. Folter und Arbeitslager sind ebenfalls noch immer weit verbreitete Mittel, um Systemkritiker mundtot zu machen.

    Zudem werden demokratische Rechte in China häufig missachtet: Es gibt kein Wahlrecht, keine unabhängigen Gerichte, die Religionsfreiheit ist stark eingeschränkt, Demonstrationen und Streiks sind verboten. Außerdem wird die Landbevölkerung deutlich unterdrückt und benachteiligt.

    Zwar wurde von Seiten der Regierung versprochen, die Menschenrechtslage zu verbessern, bisher sind jedoch kaum nennenswerten Änderungen vonstatten gegangen.

    Pressefreiheit

    Trotz Einführung der Reform- und Öffnungspolitik vor 25 Jahren müssen auch heute noch alle Medienveröffentlichungen zuvor vom chinesischen Propagandaministerium abgesegnet werden.

    Aufgrund regierungsfeindlicher Beiträge werden Journalisten, Autoren und Menschenrechtsaktivisten in China weiterhin verfolgt und verhaftet. Es wird angenommen, dass seit 1989 wegen systemkritischer Beiträge und Äußerungen mehrere hundert Medienleute inhaftiert wurden, so viele wie in keinem anderen Land der Welt.

    Nach der erfolgreichen Bewerbung Pekings als Olympiastadt stieg die Anzahl der verhafteten Journalisten an: Viele hatten im Vorfeld Chinas Politik und den Umgang mit Medien kritisiert und sollten nun verstummen, da durch die Olympia-Vorbereitungen alle Augen auf Peking gerichtet waren.

    Diplomatie

    Noch immer praktiziert die chinesische Führung die so genannte Panda-Diplomatie: Die Annäherung an den Westen erfolgt lediglich durch kleine Gesten und Geschenke, grundlegende Fragen wie die Menschenrechtssituation oder die Pressefreiheit werden jedoch außen vor gelassen.