Innsbruck 1964

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Christl Haas mit Traudl Hecher (links) und Edith Zimmermann (rechts) nach dem Sieglauf in der Abfahrt 1964 in Innsbruck.

    Neunte Olympische Winterspiele

    Vom 29. Januar bis 9. Februar. 228 Frauen und 900 Männer aus 37 Ländern nahmen an 34 Wettbewerben in acht Sportarten (einschließlich Biathlon) teil.

    Programm

    Im Programm war (nach der Zwangspause in Squaw Valley, siehe dort "Kurioses") wieder der Bobsport. Erstmals ausgetragen wurden in den nordischen Disziplinen der 5 km-Langlauf der Frauen und das Springen von der 70 m-(Normal-) Schanze. Ebenfalls neu dabei war das Rennrodeln mit drei Wettkämpfen.

    Austragungsort

    Innsbruck hatte die Spiele bei der IOC-Wahl auf Anhieb mit 49 Stimmen vor Calgary (9) zugesprochen bekommen. Im Gegensatz zu Squaw Valley 1960 gab es aber so etwas wie "Spiele der langen Wege", vom Zentrum Innsbruck zu den Alpinen in der Axamer Lizum, zu den Nordischen in Seefeld oder zu den Bobfahrern in Igls.

    Die Tiroler Metropole litt unter erheblichem Schneemangel. Das österreichische Bundesheer fuhr 20 000 Kubikmeter Schnee heran, so wurde die gefürchtete Abfahrtsstrecke am Patscherkofel ein einsames weißen Band inmitten einer "grünen" Landschaft.

    Medaillenbilanz

    Das Team der UdSSR gewann erneut die meisten Medaillen (11/8/6) vor den Norwegern (3/6/6) und den gastgebenden Österreichern (4/5/3).

    Vergleiche Medaillenspiegel Innsbruck 1964.

    Erfolge

    Entscheidend zum sowjetischen Erfolg trugen zwei Sportlerinnen bei, die jeweils alle ihnen möglichen Goldmedaillen gewannen: Lydia Skoblikowa vier im Eisschnelllauf und Klaudia Bojarskirch drei im Langlauf.

    Für das Gastgeberland Österreich holten die Abfahrer Christl Haas und Egon Zimmermann sowie Slalomläufer Josef Stiegler Gold, während Karl Schranz der Sieg versagt blieb.

    Die französischen Schwestern Christine und Marielle Goitschel gewannen Alpin jeweils Gold und Silber.

    Hollands erstes Winter-Gold holte die Eiskunstläuferin Sjoukje Dijkstra.

    Sixten Jernberg gewann zum Abschluss seiner einmaligen Karriere noch zweimal Gold und kam somit auf insgesamt neun olympische Medaillen.

    Großes Staunen bei den Bobrennen: Briten und Kanadier siegten, obwohl es in den jeweiligen Ländern gar keine Bobbahnen gab.

    Für die zum letzten Mal gemeinsam antretende deutsche Mannschaft siegte der Münchner Eiskunstläufer Manfred Schnelldorfer. Die Paarläufer Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler, Zweite hinter dem "klassisches Ballett" laufenden Ehepaar Protopopow, gaben ihre Medaille später wegen "Amateurstreitigkeiten" zurück. Im neu eingeführten Rennrodeln gewannen die DDR-Sportler je zweimal Gold und Silber.

    Fazit

    IOC-Präsident Avery Brundage, kein Freund der Winterspiele, beklagte sich über zunehmende Kommerzialisierung. Aber Innsbruck bot erstklassige Spiele mit rund einer Million Besuchern.

    Das "elektronische" Zeitalter hatte die Spiele nun fest im Griff: Das Fernsehen berichtete weltweit und direkt; die Kampfgerichte bedienten sich der Computer. Die Zeit der "idyllischen Winterspiele" war vorbei. Die Teilnehmerzahlen brachen alle Rekorde, wobei die Gesamtzahl der Sportler (1128) noch von denen der Funktionäre (1150) und Journalisten (1400) übertroffen wurde.

    Doch gab es auch Schattenseiten: Im Training hatte es zwei schwere Unglücke gegeben: Der Abfahrer Ross Milne (Australien) und der Rennrodler Kazimierz Skrzypecki (Großbritannien) stürzten zu Tode.

    Zum letzten Mal ging eine gesamtdeutsche Mannschaft an den Start, die nur mühsam zusammenfand (Berlinfrage, Streit um endgültige Anerkennung des DDR-NOK).