Lake Placid 1932

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Dritte Olympische Winterspiele

    Vom 4. bis 15. Februar. 32 Frauen und 274 Männer aus 17 Ländern nahmen an 14 Wettbewerben in fünf Sportarten teil.

    Programm

    Fünf Sportarten standen in Lake Placid auf dem Programm: nordischer Skisport, Eisschnelllauf, Eiskunstlauf, Bob und Eishockey. Neu im Programm war der Zweierbob.

    Austragungsort

    Die Beteiligung in dem abgelegenen Lake Placid musste wegen der hohen Reisekosten in einer Zeit der wirtschaftlichen Depression naturgemäß weit unter der von St. Moritz 1928 bleiben.

    Der Olympia-Ort litt unter Schneemangel und erheblichen Wetterschwankungen, für die Loipen musste extra Schnee herangeschafft werden.

    Konflikte und Probleme

    Zu Konflikten kam es wegen der Starts in den Eisschnelllaufrennen. Die Amerikaner bestanden auf ihren Regeln mit Massenstarts in Vor- und Endläufen. Die Europäer, die wie üblich paarweise starten wollten, konnten sich nicht durchsetzen, verloren ihre Vormachtstellung und gewannen gegen Amerikaner und Kanadier nur zweimal Silber.

    Der überragende Eisschnellläufer seiner Zeit, der Finne Clas Thunberg, hatte die Missstände vorausgeahnt und einen Start abgelehnt.

    Auch auf der Bobbahn blieben Probleme nicht aus, es gab lebensgefährliche Stürze. Das betraf besonders die deutschen Teilnehmer, deren Bob "Deutschland 2" unbrauchbar geworden war, so dass man sich einen amerikanischen Bob auslieh und ihn mit in den USA lebenden Deutschen besetzte, die vom Bobsport kaum eine Ahnung hatten.

    Medaillenbilanz

    Die meisten Medaillen gewannen in Lake Placid die Amerikaner (6/4/2) vor den Norwegern (3/4/3), die in St. Moritz vier Jahre zuvor in der Bilanz noch weit vorne lagen.

    Vergleiche Medaillenspiegel Lake Placid 1932.

    Erfolge

    Der Eiskunstlauf fand erstmals (nach 1908 und 1920) in einer Halle statt, und nun konnten sich auch die Amerikaner an der überragenden Norwegerin Sonja Henie erfreuen, die nach 1928 ihr zweites Gold gewann.

    Ihr Landsmann Birger Ruud feierte als Skispringer seinen ersten Olympiasieg, und Johann Gröttumsbraaten triumphierte zum zweiten Mal nach 1928 in der Nordischen Kombination.

    Am Eishockeyturnier nahmen nur vier Mannschaften teil, weil den meisten europäischen Ländern die Reise zu teuer war. So konnte das deutsche Team seine erste Bronzemedaille hinter Kanada und den USA und vor Polen erringen. Die früher so überlegenen Kanadier holten zwar ihre vierte Eishockey-Goldmedaille, aber diesmal nur dank des besseren Torverhältnisses gegenüber den USA.

    Für die deutsche Olympia-Auswahl, die mit geringen Mitteln notdürftig zusammen gestellt worden war, gelang neben dem Eishockeyteam lediglich der Bobmannschaft ein Medaillenerfolg. Wie schon 1928 gewann der von dem Garmisch-Partenkirchener Hanns Kilian gesteuerte Viererbob die Bronzemedaille.

    Kurioses

    Dem schwedischen Eiskunstläufer Gillis Grafström blieb der vierte Olympiasieg hintereinander versagt. Durch einen Trainingssturz nach Zusammenprall mit einem Pressefotografen gehandikapt, unterlag er dem Österreicher Karl Schäfer.

    Fazit

    Der Gesamteindruck dieser ersten außereuropäischen Winterspiele wurde durch verschiedene Umstände getrübt. In dieser Zeit der wirtschaftlichen Schwierigkeiten hatte der "Deutsche Olympische Ausschuss" (Deutsche Olympiamannschaften) notdürftig Geld zusammen bekommen und nur 20 Männer (keine Frauen) nach Lake Placid geschickt.