Lillehammer 1994

    Aus Olympia-Lexikon.de

    17. Olympische Winterspiele


    Vom 12. bis 27. Februar. 484 Frauen und 1 353 Männer aus 73 Ländern nahmen an den 61 Wettbewerben in zehn Sportarten teil.

    Programm

    Das Programm war nach der Erweiterung von Albertville (elf Disziplinen mehr) noch einmal vergrößert worden. Im Short Track kamen 1000 m der Frauen und 500 m der Männer, im Freestyle (Ski-Akrobatik) Springen für Frauen und Männer hinzu.

    Austragungsort

    Die Spiele wurden an eine der Hochburgen des modernen Skisports vergeben, was sich dann auch äußerst positiv auf den Zuschauerandrang und die Begeisterungsfähigkeit der Bevölkerung sowie der mitgereisten Fans auswirkte.

    Für Norwegens Bürger gab es aber auch schlechte Nachrichten, denn die Spiele brachten ein Defizit von 4,7 Milliarden Kronen (ca. eine Milliarde Mark), die die Steuerzahler aufbringen müssen. Ein großer Anteil wurde aber auch in Infrastrukturen angelegt.

    Neuerungen

    Die wichtigste Neuerung lag in der Änderung des olympischen Rhythmus: Bereits zwei Jahre nach Albertville 1992 fanden wieder Winterspiele statt, weil das IOC in Abstimmung (oder auch unter Druck) mit dem Fernsehen die olympischen Jahre "entzerren" wollte.

    Sommer- und Winterspiele finden zwar weiterhin im vierjährigen Turnus, aber nun durch zwei Jahre getrennt statt: Die nächsten Sommerspiele waren 1996 in Atlanta, die nächsten Winterspiele 1998 in Nagano.

    Medaillenbilanz

    Die gastgebenden Norweger (10/11/5) übernahmen die erste Stelle mit insgesamt 26 Medaillen vor Deutschland (9/7/8) und Russland (11/8/4), das die meisten Goldmedaillen gewann.

    Die ehemaligen Sowjetrepubliken traten nun getrennt auf: Russland, Kasachstan (1/2/0, alle Medaillen erkämpft durch den Langläufer Smirnow) erschienen ebenso im "Medaillenspiegel" wie die Ukraine (1/0/1), Usbekistan (1/0/0) und Weißrussland (0/2/0).

    Vergleiche Medaillenspiegel Lillehammer 1994.

    Stars

    Überragende Einzelkönner waren die Langläuferin Ljubow Jegorowa aus Russland (3/1/0), die ihre neunte Medaille gewann, und die beiden Norweger Björn Dählie (zweimal Gold und Silber im Langlauf).

    Johan Koss, der "König der Eisschnellläufer", siegte auf drei Strecken, jeweils mit Weltrekord.

    Erfolge

    Die Langläuferin Manuela di Centa aus Italien gewann fünf Medaillen (2/2/1) und die Schweizerin Vreni Schneider (1/1/1) wurde zur erfolgreichsten Skifahrerin aller Winterspiele, wie bei den Männern Alberto Tomba (Italien).

    Die schwedische Mannschaft errang ihren ersten Sieg in einem olympischen Eishockeyturnier.

    Mit der koreanischen Short Track-Staffel gewann ein Mädchen namens Yoon Mi Kim. Die 13-Jährige war die jüngste Olympiasiegerin aller Zeiten.

    In der deutschen Mannschaft, die zum zweiten Mal nach 1992 als ein Team antrat, begeisterten Skifahrer Markus Wasmeier und Skispringer Jens Weißflog (Großschanze und Mannschaft) mit je zwei Goldmedaillen. Katja Seizinger gewann die Abfahrt. Die erfolgreichen Biathleten trugen einmal Gold durch die Staffel, dreimal Silber und einmal Bronze bei. Dazu kamen die Olympiasiege des Viererbobs (Czudaj/Brannasch/Hampel/Szelig), des Rennrodlers Georg Hackl und der Eisschnellläuferin Claudia Pechstein.

    Fazit

    Die Spiele wurden wegen der demonstrierten Vereinbarkeit von Großereignissen mit dem Umweltschutz und wegen der begeisterungsfähigen und disziplinierten Zuschauer allgemein gelobt.

    IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch nannte sie "die besten Winterspiele aller Zeiten", und das IOC erhoffte sich von ihnen eine positive und beispielhafte Botschaft an künftige Ausrichter.