London 1908

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Spiele der IV. Olympiade

    Die englische Hauptstadt feierte Olympia vom 27. April bis 31. Oktober. 36 Frauen und 1 999 Männer aus 23 Ländern nahmen an 110 Wettbewerben in 22 Sportarten (einschließlich Wasserball) teil.

    Programm

    Zu den beliebtesten früheren Sportarten gehörte das Tauziehen, hier die englische Siegermannschaft in London 1908.

    Motorbootrennen waren erstmalig und einmalig olympisch, und Hockey feierte seine olympische Premiere.

    Wieder aufgenommen wurde Boxen, aus dem Programm gestrichen wurden Reiten und Golf.

    Die Sommersportarten, speziell die Leichtathletik, fanden im Juli statt, Fußball und Boxen zum Beispiel im Herbst.

    Austragungsort

    Ursprünglich sollte Rom diese Spiele veranstalten, das den Vorzug vor Berlin bekommen hatte, aber 1906 war der Vesuv bei Neapel ausgebrochen, und die italienische Regierung benötigte alle finanziellen Mittel zum Wiederaufbau der zerstörten Landschaften. London sprang als Ersatz ein, und Rom musste 52 Jahre auf seine zweite Chance warten.

    Wintersport

    Überraschenderweise kam erstmals der Wintersport zu olympischen Ehren: Auf dem Programm standen vier Konkurrenzen im Eiskunstlauf.

    Was machte Schlagzeilen?

    Schwedische und amerikanische Fahnen wurden nicht aufgezogen, weil sie die Veranstalter angeblich nicht "fanden"; die Finnen marschierten ohne Fahne ein, weil ihr Land damals russisches Territorium war. Russland hatte Finnland die eigenständige Teilnahme erlaubt, allerdings unter der russischen Flagge, woraufhin die Finnen gänzlich auf die Fahne verzichteten.

    Viele amerikanische Sportler-Emigranten aus Irland nützten die Veranstaltung zu politischen Zwecken und warfen der englischen Regierung die schlechte Behandlung ihres Heimatlandes vor. Der amerikanische Fahnenträger Ralph Rose, dessen Freunde hauptsächlich Iren waren, weigerte sich, beim Eröffnungs-Einmarsch die Flagge vor dem englischen König Edward VII. zu senken, was neben anderen Misshelligkeiten später zum Abbruch der Sport-Beziehungen zwischen den USA und England führte.

    Neuerungen

    Die bemerkenswerteste Premiere aber war, dass es erstmals in der olympischen Geschichte Goldmedaillen für die Sieger gab.

    Medaillenbilanz und Erfolge

    John Flanagan, der beste Hammerwerfer um die Jahrhundertwende, siegreich bei den olympischen Spielen in den Jahren 1900, 1904 und 1908.

    Die Briten (56/50/29) rangierten in der Erfolgsbilanz vor den Amerikanern (23/12/12).

    Der 33-jährige Ray Ewry (USA) holte sich seinen neunten und zehnten Sieg in den Sprüngen aus dem Stand.

    Der 40-jährige gebürtige Ire John Flanagan (USA) gewann zum dritten Mal nach 1900 und 1904 das Hammerwerfen.

    Der "Deutsche Reichsausschuss" schickte 82 Männer und - zum ersten Mal in der olympischen Geschichte - auch zwei Frauen nach London. Erfolgreich waren die Wintersportler Anna Hübler Horn und Heinrich Burger, die Gold im Paarlauf gewannen, sowie Elsa Rendschmidt mit Silber im Einzel. Insgesamt kämpfte die deutsche Mannschaft (Medaillenbilanz 3/5/5) jedoch unglücklich, war auf Klima und Küche schlecht vorbereitet. Kaum einer der Sportler war am Wettkampftag im Vollbesitz seiner Kräfte.

    Vergleiche Medaillenspiegel London 1908.

    Kurioses

    Für das Drama der Spiele sorgte der italienische Marathonläufer Dorando Pietri, der auf der letzten Stadionrunde fünfmal zusammenbrach, von Funktionären gestützt das Ziel erreichte und deswegen als Sieger disqualifiziert wurde.

    Fazit

    Die Engländer boten die bis dahin am besten organisierten Wettkämpfe mit dem größten Teilnehmerfeld aus dem Ausland. IOC-Präsident Coubertin hatte den Plan unterstützt, dass die Engländer alle Kampfrichter stellen sollten. Das aber führte zu vielen Kontroversen, und gerade die Amerikaner fühlten sich oft benachteiligt. Insgesamt waren es Spiele, bei denen Politik eine nicht unbedeutende eine Rolle spielte.