London 1948

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Sechs Goldmedaillen bei vier olympischen Spielen (1948 bis 1960) erkämpfte sich der ungarische Säbelfechter Rudolf Karpati.

    Spiele der XIV. Olympiade

    Vom 29. Juli bis 14. August. 385 Frauen und 3 714 Männer aus 59 Ländern nahmen an 136 Wettbewerben in 18 Sportarten teil. Deutschland und Japan erhielten keine Einladungen. Die UdSSR sagte ab.

    Programm

    Gegenüber den Spielen von 1936 waren Feldhandball und Polo gestrichen worden, die Wettbewerbe aber um sechs Disziplinen erweitert worden. Zum letzten Mal fanden die Kunstwettbewerbe statt.

    Austragungsort

    Im Juni 1939 hatte das IOC London für die Spiele von 1944 vorgesehen, doch die mussten wegen des Krieges ausfallen. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam das IOC eine neue Führung, Präsident war jetzt der Schwede Johannes Edström, sein Stellvertreter der prinzipientreue Amerikaner Avery Brundage.

    Beide traten mit aller Kraft dafür ein, dass die Spiele der nächsten Olympiade planmäßig abgehalten wurden. Brieflich stimmten die IOC-Mitglieder 1946 ab und entschieden sich für 1948 für London, das Baltimore, Lausanne, Los Angeles, Minneapolis und Philadelphia ausstach.

    600 000 Pfund, damals etwa 6 Millionen Mark, investierte das britische NOK in die Spiele, schließlich soll sogar noch ein Gewinn von rund 10 000 Mark übriggeblieben sein.

    Das Fernsehzeitalter beginnt

    Wichtige Neuerungen gab es in London nicht, das Protokoll hatte sich schon fest etabliert. Und doch passierte etwas, das die Olympischen Spiele in den kommenden Jahrzehnten entscheidend prägen sollte: Das Fernsehen übertrug den olympischen Sport erstmals in die Wohnzimmer. In Großbritannien gab es damals rund 80 000 Fernsehgeräte, etwa eine halbe Million Menschen sollen zugeschaut haben.

    Medaillenbilanz

    Die Amerikaner gewannen wiederum die meisten Medaillen (38/27/19) vor den Schweden (16/11/17).

    Vergleiche Medaillenspiegel London 1948.

    Erfolge

    Die Leichtathletik bildeten den Kern der Spiele. Drei Stars begeisterten. Die 30-jährige Holländerin Fanny Blankers-Koen, Mutter von drei Kindern, gewann vier Goldmedaillen. An mehr Wettbewerben durfte sie nicht teilnehmen, da Frauen nur der Start in drei Einzelkonkurrenzen erlaubt war. Wahrscheinlich hätte sie auch im Hochsprung und im Weitsprung gewonnen.

    Da sich der Hürdenläufer Harrison Gillard 1948 in London für seine Disziplin nicht qualifizieren konnte, trat er im 100-m-Sprint an - und gewann!

    Der 17-jährige Amerikaner Bob Mathias trumpfte im Zehnkampf auf, und der international schon bekannte Tschechoslowake Emil Zatopek ("die Lokomotive") begann seine herausragende olympische Karriere mit dem Sieg über 10 000 m mit fast 48 Sekunden Vorsprung und dem Gewinn der Silbermedaille über 5000 m, nur zwei Zehntelsekunden hinter dem Belgier Gaston Reiff.

    Für Österreich gab es das erste Leichtathletik-Gold in der olympischen Geschichte durch die Speerwerferin Herma Bauma.

    Fazit

    Die Spiele in England waren deutlich von den Folgen des Krieges gezeichnet. Stadien wurden provisorisch ausgebaut, die Athleten in Kasernen und Schulen untergebracht. Die britischen Organisatoren vollbrachten eine hervorragende Leistung, sodass der Neubeginn Olympias nach zwölf schrecklichen Jahren ein Erfolg wurde. Leider war das Wetter schlecht, es regnete fast ständig. Die Begeisterung der Zuschauer und eine zwangsläufig neue Sportler-Generation mit herausragenden Leistungen ließen die bescheidenen äußeren Umstände vergessen.