Los Angeles 1932

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Der Finne Lehtinen rettet sich im 5000-m-Lauf in Los Angeles 1932 vor dem überraschend starken Amerikaner Hill gerade noch ins Ziel.

    Spiele der X. Olympiade

    Daten

    Vom 30. Juli bis 14. August. 127 Frauen und 1 281 Männer aus 37 Ländern nahmen an insgesamt 116 Wettbewerben in 14 Sportarten teil.

    Programm

    Unter anderem standen neun Kunstwettbewerbe auf dem Programm (Gold für den deutschen Schriftsteller Paul Bauer) und es wurden Medaillen für Bergsteiger vergeben (Gold für Franz und Toni Schmidt - Erstbesteigung der Matterhorn-Nordwand).

    Austragungsort

    Los Angeles hatte sich schon für 1924 und 1928 beworben und nun den Zuschlag trotz großer Bedenken bekommen. Die Olympier hatten keine guten Erinnerungen an die ersten außereuropäischen Spiele in St. Louis 1904.

    Kritisiert wurden auch die hohen Reisekosten in einer wirtschaftlich allgemein schweren Zeit. Tatsächlich waren dann die Teilnehmerfelder auch erheblich kleiner als in Amsterdam.

    Obwohl die Amerikaner alle Teilnehmer bezuschussten, scheiterte die Teilnahme oft an der finanziellen Hürde. Für die deutsche Mannschaft hatte der "Deutsche Olympische Ausschuss" mühsam einiges Geld aufgetrieben, aber die Athleten mussten auch eigenes Geld zuschießen. Für den Ringer-Olympiasieger Jakob Brendel wurden seine 1000 Mark Reisegeld zu Hause in Nürnberg privat gesammelt. Reiter und Hockeyspieler (auch die immer noch abseits stehenden Turner) traten die teure Reise nicht an, die insgesamt nur sieben Frauen und 75 Männer aus der deutschen Mannschaft mit dem Lloyd-Dampfer "Europa" aufnahmen.

    Neuerungen

    Das erste Olympische Dorf wurde errichtet. Es bestand aus 550 Spezialhäusern nur für Männer, die Frauen wohnten in einem Hotel, und ihnen wurde der Zutritt zum "Dorf" strikt untersagt.

    Die Spiele brachten weitere sensationelle Neuerungen: elektrische Zeitmessung mit Startpistolen, die Stoppuhr und Zielfoto auslösten; ein Siegerpodest mit drei Stufen, Fahnen und Hymnen sowie die Anwesenheit der Box-Ringrichter zwischen den Seilen und nicht wie bisher üblich außerhalb des Ringes.

    Medaillenbilanz

    Erfolgreichste Mannschaft waren die Amerikaner mit 104 Medaillen (41/32/31), praktisch jeder dritte US-Teilnehmer gewann olympisches Edelmetall. Die deutsche Mannschaft schnitt mit drei Gold-, zwölf Silber- und fünf Bronzemedaillen erfolgreich ab.

    Vergleiche Medaillenspiegel Los Angeles 1932.

    Stars und Erfolge

    Der Brite Jack Beresford, mehrfacher Goldmedaillensieger im Rudern.

    "Star" der Spiele war die Amerikanerin Mildred "Babe" Didrikson, die das Speerwerfen und die 80 m-Hürden gewann und gleich hoch sprang (1,657 m) wie Jean Shiley (USA), aber von der Jury wegen ihres Stils (Kopf voraus) auf Platz zwei gesetzt wurde. Die beiden Mädchen ließen später ihre Medaillen verschmelzen und teilten sich die Gold-Silber-Legierung. "Babe" Didrikson hätte wohl noch mehr gewonnen, doch durften Frauen damals nur an maximal drei Disziplinen teilnehmen.

    Olympiasieger aus deutschen Reihen waren neben Brendel der Gewichtheber Rudolf Ismayr und der Ruder-Vierer mit Steuermann. Besonders erfolgreich waren die Kraftsportler mit je einmal Gold, Silber und Bronze für die Gewichtheber und die Ringer, dreimal Silber für die Boxer.

    Kurioses

    In Los Angeles wurde die deutsche Mannschaft noch durch vier Radsportler ergänzt, die einem deutschen Radfahrerklub in New York angehörten und keinerlei Erfahrung im Leistungssport hatten.

    Der traurigste "Teilnehmer" war der Finne Paavo Nurmi, der seit 1920 zwölf Medaillen (davon neunmal Gold) gewonnen hatte und in Los Angeles als 35-Jähriger für den Marathonlauf nominiert war. Wegen "Verstoßes gegen die Amateurbestimmungen" (angeblich zu hohe Spesen) durfte er nicht starten.

    Fazit

    Die Spiele wurden trotz aller Unkenrufe insgesamt ein großer Erfolg, mit rund zwei Millionen Zuschauern und einem Gewinn von rund einer Million Dollar.