München 1972

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Spiele der XX. Olympiade

    Vom 26. August bis 10. September 1972. 1199 Frauen und 5848 Männer aus 122 Ländern nahmen an 195 Wettbewerben in 22 Sportarten teil.

    Programm

    Ansicht des Münchner Olympiastadions

    Insgesamt 23 Wettkampfdisziplinen hielten Einzug in das olympische Programm. Neu dabei waren Bogenschießen, Kanuslalom, Handball und (wieder) Judo. In der Leichtathletik, im Ringen, Segeln und Gewichtheben wurden weitere Disziplinen hinzugenommen.

    Austragungsort

    München wollte moderne Olympische Spiele mit Sportlichkeit, Heiterkeit, Begeisterung und perfekter Organisation bieten, man wollte der Welt ein neues deutsches Image, ganz anders als jenes von Berlin 1936, zeigen.

    München hatte die Spiele am 26. April 1966 auf der IOC-Tagung in Rom im zweiten Wahlgang gegen Montreal zugesprochen bekommen. Ausgeschieden waren vorher Detroit und Madrid. Die entscheidenden "Geburtshelfer" der Münchner Bewerbung waren NOK-Präsident Willi Daume und Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel.

    In München begann der Bau moderner Sportanlagen und einer aufwendigen Infrastruktur, was insgesamt rund zwei Milliarden Mark beanspruchte. Der Olympiapark mit Olympiastadion, Schwimmhalle und dem weltberühmten Zeltdach ist heute noch ein lebendiges Sport- und Veranstaltungszentrum und Ausflugsziel vieler Touristen.

    Schlagzeilen: Boykott, das Attentat und Hintergründe

    Boykottdrohung

    Begonnen hatten diese Spiele mit großem sportpolitischen Ärger. Weil das IOC Rhodesien, das heutige Zimbabwe, teilnehmen ließ, drohten 40 schwarzafrikanische Staaten wegen der Rassenpolitik in Rhodesien mit der Abreise. Das IOC schloss, zum Ärger seines Präsidenten, Rhodesien (36:31 Stimmen) wieder aus.

    Die heiteren Spiele

    Nach einer gelungenen Eröffnungsfeier, bei der Bundespräsident Gustav Heinemann die Eröffnungsformel und Heidi Schüller als erste Frau bei Sommerspielen den "Eid" sprachen, schienen zehn Tage lang wirklich die gewünschten "heiteren Spiele" Realität zu werden, bis der Terroranschlag erfolgte.

    Der Schwarze Dienstag

    In den Morgenstunden des elften Wettkampftages, am 5. September, drangen acht arabische Terroristen in das israelische Mannschaftsquartier im Haus Connollystraße 21 im Olympischen Dorf ein, erschossen den Ringertrainer Moshe Weinberg und den Gewichtheber Yossef Romano und nahmen neun israelische Sportler als Geiseln. Sie forderten die Freilassung inhaftierter Araber.

    Sozusagen vor den Augen der Weltöffentlichkeit, die Fernsehkameras waren zumindest auf Distanz dabei, verhandelten deutsche Politiker und Sicherheitsexperten mit den vermummten Terroristen. Die Verhandlungen zogen sich über den ganzen Tag hin. In den Abendstunden wurden die Terroristen und die Geiseln zum Flugplatz Fürstenfeldbruck gebracht, angeblich um ausgeflogen zu werden. Dort misslang jedoch der Versuch, die Geiseln mit Gewalt zu befreien. 20 Stunden nach dem Überfall nahm das Geschehen ein blutiges Ende. Alle neun israelischen Geiseln, fünf Araber und ein deutscher Polizist wurden getötet.

    Der Anschlag kostete 17 Menschenleben.

    The games must go on

    Es wurde sehr kontrovers diskutiert, ob die Spiele abgebrochen werden sollten. Am Tag des Anschlags um 15.30 Uhr wurde im Olympiastadion bekannt gegeben, dass die Spiele unterbrochen seien, um 16 Uhr wurden die Wettkämpfe dieses Tages abgesagt. IOC-Präsident Avery Brundage war von Anfang an dafür, die Spiele fortzusetzen. Man wollte nur den Zeitplan um 24 Stunden verschieben. Am Vormittag des 6. September verkündete Brundage bei einer ergreifenden Trauerfeier im vollbesetzten Olympiastadion: "The games must go on". Am Nachmittag setzte man dort fort, wo man am Vortag unterbrochen hatte.

    Die Opfer

    Die Namen der getöteten israelischen Olympiasportler sollen nicht vergessen werden: David Berger, Zeev Frieman, Yossef Gutfreund, Eliezer Halfin, Yossef Romano, Amitzur Shapira, Kehat Shorr, Mark Slavin, Andrei Spitzer, Yakov Springer und Moshe Weinberg.

    Medaillenbilanz

    Als stärkste Nation erwies sich die UdSSR (50/27/22) knapp vor den USA (33/31/30). Die beiden deutschen Mannschaften, die erstmals völlig eigenständig antraten, folgten auf Rang Drei (DDR ) und Vier (Bundesrepublik) mit der Bilanz (20/23/23) bzw. (13/11/16) 51 Länder holten sich mindestens eine Medaille - auch das ein olympischer Rekord.

    Vergleiche Medaillenspiegel München 1972.

    Stars

    Der Star der Spiele war der amerikanischen Schwimmer Mark Spitz, der schon vier Jahre zuvor zweimal Gold gewonnen hatte. In München feierte er sieben Olympiasiege (alle mit Weltrekord), was noch nie ein Sportler geschafft hatte.

    Zum Publikumsliebling wurde die zierliche Turnerin Olga Korbut (dreimal Gold, einmal Silber),

    Erfolge

    Roland Matthes bei den Olympischen Spielen 1972 in München

    Waleri Borsow gewann als erster Europäer bei Olympia beide Leichtathletik-Sprintstrecken, Kipchoge Keino aus Kenia nach den 1500 m in Mexico City nun die 3000 m-Hindernis, der Finne Lasse Viren beide Langstrecken.

    Bewundert wurde die australische Schwimmerin Shane Gould (dreimal Gold, einmal Silber, einmal Bronze), die zwölfmal an den Start ging.

    Im Basketballfinale wurden zwei Sekunden nachgespielt, was den Sowjets den Sieg über die USA (ununterbrochen Sieger seit 1936) brachte, woraufhin die Amerikaner die Annahme der Silbermedaillen verweigerten.

    Das DDR-Team holte sich 20 Goldmedaillen, darunter acht in der Leichtathletik, zwei durch den Schwimmer Roland Matthes, je drei im Rudern und Turnen und vier in den Kanu-Rennen.

    Das bundesdeutsche Team bejubelte 13 Goldmedaillen, darunter sechs in der Leichtathletik, die des Boxers Dieter Kottysch, des Schützen Konrad Wirnhier, der Dressurreiterin Lieselott Linsenhoff, des Bahn-Vierers, des Springreiterteams, im Hockey und Rudern. Eindrucksvoll war besonders die Leichathletik-Stunde am 3. September zwischen 17 und 18 Uhr, als die 800 m-Läuferin Hildegard Falck, der Speerwerfer Klaus Wolfermann und der Geher Bernd Kannenberg Gold holten und Heide Rosendahl Silber im Fünfkampf errang. "Gold-Heide" siegte dann im Weitsprung und mit der Sprintstaffel, und die junge Hochspringerin Ulrike Meyfarth feierte mit 1,92 m einen völlig überraschenden Olympiasieg, den sie zwölf Jahre später ebenso überraschend wiederholen konnte. Der 60-jährige Josef Neckermann gewann in der Dressur seine sechste Medaille bei seinen vierten Olympischen Spielen.

    Fazit

    Die "heiteren Spiele" von München mussten den tragischsten Tag in der Geschichte Olympischer Spiele verkraften, was alle Triumphe und Erfolge überschattete.

    Zwei Fälle von Doping schockten nachträglich den Radsport: Dem holländischen Straßenvierer und dem Spanier Huelamo wurden die Bronzemedaillen aberkannt.

    Nach den Münchner Spielen wurde IOC-Präsident Avery Brundage von dem britischen Lord Killanin abgelöst. Er kritisierte Kommerzialisierung und "nationalen Missbrauch" von Medaillen, wandte sich gegen Hymnen und Flaggen und wünschte sich "kleinere" Olympische Spiele. Dies blieben leider nur fromme Wünsche.