Mexico City 1968

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Spiele der XIX. Olympiade

    Vom 12. bis 27. Oktober. 781 Frauen und 4750 Männer aus 112 Ländern nahmen an 172 Wettbewerben in 19 Sportarten teil.

    Programm

    Judo, 1964 erstmals dabei, war nicht wieder im Programm, die Schwimmdisziplinen wurden von 22 auf jetzt 33 aufgestockt.

    Austragungsort

    Bob Beamon bei seinem Weltrekordsprung in Mexico City 1968.

    Schon 1963, als das IOC die mexikanische Hauptstadt bereits im ersten Durchgang mit 30 Stimmen vor Detroit (14) wählte, waren Befürchtungen wegen der extremen Höhenlage (2134 m) geäußert worden. Sie wirkte sich positiv und negativ, besonders in der Leichtathletik, aus. Die dünne Luft ließ viele Sportler am Rande der Erschöpfung kollabieren. In der Leichtathletik sorgte sie teils für Weltrekorde, die jahrzehntelang Bestand hatten, auf den Langstrecken hingegen kam es auch zu krassen Leistungsabfällen.

    Schlagzeilen

    Die Spiele standen auch im Zeichen politischer und sozialer Unruhen. Zwei Monate vor Beginn waren die Sowjets in die CSSR einmarschiert, und kurz vor der Eröffnung schlugen Polizei und Militär in Mexico City einen Bürgeraufstand mit 250 Toten blutig nieder.

    Boykottdrohungen

    Nach Aufnahme Südafrikas in das IOC drohten 40 afrikanische Staaten mit Boykott, Südafrika wurde wieder ausgesperrt.

    Die Black-Power-Bewegung in den USA drängte schwarze Athleten wegen der Rassendiskriminierung zum Boykott. Bei der Siegerehrung über 200 m demonstrierten Tom Smith (Gold) und John Carlos (Bronze) mit einem schwarzen Handschuh über der rechten Faust, das IOC sperrte sie für die nächsten Spiele und verbannte sie aus dem Olympischen Dorf.

    Medaillenbilanz

    Die meisten Medaillen holte sich überlegen die USA (45/28/34) vor der UdSSR (29/32/30). Insgesamt errangen Sportler aus 30 Ländern Medaillen.

    Vergleiche Medaillenspiegel Mexico City 1968.

    Stars und Erfolge

    Stars waren zweifellos der Amerikaner Bob Beamon mit seinem 8,90 m-Weitsprung "ins 21. Jahrhundert" und der Hochspringer Richard Fosbury, der mit neuem Hochsprungstil diese Disziplin revolutionierte.

    Vera Caslavska avancierte mit vier Goldmedaillen (plus zwei Silber) endgültig zur neuen Turn-Königin, hatte nun insgesamt elf Medaillen.

    Al Oerter gewann zum vierten Mal in Folge das Diskuswerfen.

    Die Wunderläufer aus Kenia begannen ihren Siegeszug.

    Siegreich für die DDR waren der Geher Christoph Höhne, die Kugelstoßerin Margitta Gummel, Rückenschwimmer Roland Matthes (2) Boxer Manfred Wolke, die Ringer Metz und Vesper sowie die Ruderer (2). Für das bundesdeutsche Team holten Ingrid Becker (Fünfkampf), der Ruder-Achter, Schütze Bernd Klingner, die Kanutinnen Annemarie Zimmermann / Roswitha Esser sowie das Dressurteam mit Josef Neckermann, dem ältesten Olympiasieger in Mexico City, Gold. Dem Rad-Bahnvierer wurde wegen "Anschiebens" nachträglich Gold aberkannt, die Mannschaft auf Platz zwei gesetzt.

    Fazit

    Die Spiele standen besonders unter den Aspekten extreme Höhenlage, politische Querelen und außergewöhnliche Leistungen.

    Sie brachten die ersten "Sextests" für Frauen, recht exakte Dopingkontrollen und hohe Summen für US-Leichathleten von rivalisierenden Sportschuh-Produzenten.

    Die Bundesrepublik und die DDR (offiziell unter dem Namen "Ostdeutschland") traten erstmals getrennt auf, aber unter derselben Fahne und Hymne.