Moderner Fünfkampf

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    Moderner Fünfkampf

    Moderner Fünfkampf ist ein aus fünf Disziplinen bestehender Mehrkampfwettbewerb für Männer und (seit Sydney 2000) Frauen: Schießen mit der Luftpistole, Degenfechten, 200-m-Schwimmen (beliebige Stilart), Springreiten, 3 000-m-Geländelauf.

    Regeln in Kürze

    Es gibt eine Punktewertung. Seit Atlanta 1996 werden alle fünf Wettkämpfe an einem Tag durchgeführt.

    Schießen

    Geschossen wird mit der Schnellfeuerpistole (siehe Sportschießen) 20-mal auf eine 10 m entfernte Scheibe mit 17 cm Durchmesser, wobei zwischen den einzelnen Schüssen maximal 40 Sekunden verstreichen dürfen.

    Fechten

    Im Degenfechten (siehe Fechten) tritt der einzelne Athlet nacheinander gegen alle anderen Athleten an (jeweils für eine Minute). Ein Gefecht ist beendet, wenn einer der beiden einen Treffer setzen kann bzw. nach Ablauf einer Minute.

    Schwimmen

    Das 200-m-Schwimmen kann in beliebiger Stilart bewältigt werden (zu den einzelnen Schwimmdisziplinen siehe Schwimmen). Allerdings darf im Verlauf des Wettbewerbs die Stilart nicht verändert werden.

    Reiten

    Beim Springreiten (siehe Reitsport) ist auf ausgelosten Pferden ein ca. 400 m langer Parcours mit zwölf Hindernissen und 15 Sprüngen zu bewältigen. Die Athleten haben vorher 20 Minuten Zeit, sich mit ihrem Pferd vertraut zu machen.

    Laufen

    Ein 3 000-m-Geländelauf bildet den Abschluss. Hierbei wird in der Reihenfolge des bisherigen Punktestands gestartet, wobei die Zeitabstände der einzelnen Starter ebenfalls aus diesem Punktestand errechnet werden.

    Kurioses

    In Stockholm 1912 wurde der amerikanische Leutnant George Patton Fünfter hinter vier Schweden. Er machte im Zweiten Weltkrieg als General militärische Karriere. Vielleicht wäre er in Stockholm sogar Olympiasieger geworden, hätte er nicht so schlecht geschossen (21. Platz).

    In Montreal 1976 wurde der sowjetische Fünfkämpfer Boris Onischtschenko disqualifiziert, weil er seinen Degen so präpariert hatte, dass die elektronische Anzeige einen Treffer bei seinen Gegnern anzeigte, obwohl der Russe gar nicht getroffen hatte. Bei den Spielen in München hatte er bereits Gold mit der Mannschaft und Silber im Einzel gewonnen.

    In Mexico City 1968 wurde der Schwede Gunnar Liljenvall als erster Fünfkämpfer in der Geschichte wegen "Drogenmissbrauchs" (Alkohol) disqualifiziert, und sein Team verlor die Bronzemedaille.

    Geschichte der Sportart

    Die Geschichte des Modernen Fünfkampfs ist eng mit der der Olympischen Spiele verknüpft. So war es Baron Pierre de Coubertin, Begründer der modernen Olympischen Spiele und IOC-Präsident, der diese Mehrkampfdisziplin erfand.

    In Anlehnung an den Pentathlon der Antike entwickelte der französische Baron den Modernen Fünfkampf im Jahre 1909 mit absichtlich militärischem Charakter, um die Offiziere in aller Welt auf die Olympischen Spiele aufmerksam zu machen.

    Olympische Geschichte

    In Stockholm 1912 konnte Coubertin bereits die olympische Premiere seines "Kindes" erleben. Bis heute war der Moderne Fünfkampf bei allen Spielen dabei.

    In Helsinki 1952 wurde die Mannschaftswertung eingeführt, die aber in Atlanta 1996 wieder gestrichen wurde. In Sydney 2000 wurde der Moderne Fünfkampf auch für Frauen olympisch.

    Der Fortbestand des Modernen Fünfkampfs als olympische Disziplin steht immer wieder zur Diskussion. Um die Attraktivität des Wettbewerbs zu steigern, werden in London 2012 die Disziplinen Schießen und Laufen nach dem Reiten als Kombination ähnlich einem Sommerbiathlon durchgeführt.

    Olympische Erfolge

    Die meisten Medaillen, nämlich sieben, gewann der Ukrainer Pavel Lednew (UdSSR) zwischen 1968 und 1980, die meisten Goldmedaillen der Ungar Andras Balzó (1968 und 1972 sowie 1960 mit der Mannschaft).

    In der Nationenwertung führt Russland (inkl. UdSSR) knapp vor Schweden und Ungarn. Die Schweden hatten im Einzel eine ungewöhnliche Erfolgsserie zwischen 1912 und 1968, unterbrochen nur durch die Olympiasiege des Deutschen Gotthardt Handrick in Berlin 1936 und der Ungarn Németh 1960 und Török in Tokio 1964. Den Mannschaftswettbewerb konnten sie allerdings nie gewinnen. Ab 1972 dominierten Ungarn, Polen und die UdSSR.

    Die Deutsche Lena Schöneborn gewann in Peking 2008 die Goldmedaille.