Montreal 1976

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Spiele der XXI. Olympiade

    Vom 19. Juli bis 3. August. 1251 Frauen und 4834 Männer aus 92 Ländern nahmen an 198 Wettbewerben in 22 Sportarten teil. Es wurden drei Goldmedaillen mehr als in München 1972 vergeben.

    Programm

    Udo Beyer bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal.

    Basketball und Handball der Frauen sowie der Doppelvierer im Rudern wurden neu in das olympische Programm aufgenommen.

    Austragungsort

    Montreal hatte die Spiele vom IOC im zweiten Wahlgang gegen Moskau zugesprochen bekommen, Los Angeles war im ersten Durchgang ausgeschieden. Als die englische Königin Elisabeth II. zweisprachig (französisch und englisch) die Eröffnungsformel sprach, waren die Baumaßnahmen einigermaßen zu Ende gebracht, bis auf den geplanten Turm, der das Dach über dem Olympiastadion halten sollte.

    Boykott

    Weil die Kanadier die VR China diplomatisch anerkannt hatten, sollte die "Republik China" (so genanntes Nationalchina) als "Taiwan" starten und reiste ab.

    22 afrikanische Staaten verlangten den Ausschluss Neuseelands, weil deren Rugbymannschaft kurz vor der Olympiade in Südafrika ein Spiel absolviert hatte. Das IOC stimmte dem nicht zu, worauf sich die 22 afrikanischen Staaten zum Boykott entschlossen, was den Wert der Leichtathletik wegen des Fehlens überragender afrikanischer Läufer minderte.

    Medaillenbilanz

    Die erfolgreichste Nation war die UdSSR (49/41/35) vor den USA (34/35/25) und der DDR (40/25/25), das Abschneiden der Bundesrepublik spiegelt sich in insgesamt 49 Medaillen (10/12/27).

    Vergleiche Medaillenspiegel Montreal 1976.

    Erfolge

    Die DDR-Schwimmerinnen gewannen in elf von 13 Wettbewerben. Je viermal Gold und einmal Silber gab es für die Kornelia Ender (DDR), dies gelang auch John Naber aus den USA. Die amerikanischen Schwimmer sicherten sich zwölf von 13 möglichen Olympia-Siegen.

    Im Rudern glänzten wiederum die DDR-Sportler mit neunmal Gold, außerdem siegten sie im Fußballturnier.

    Die neue "Turnkönigin" hieß die damals erst 14-jährige Nadia Comaneci mit fünf Medaillen (drei in Gold). Noch überragender war der sowjetische Turner Nikolai Andrianow, der die meisten Medaillen (sieben, davon viermal Gold) aller Sportler in Montreal errang.

    Der finnische Leichtathlet Lasse Viren gewann wie in München beide Langstrecken, wurde im Marathon Fünfter. Fast sensationell war der dritte Dreisprungsieg in Folge von Viktor Sanejew (UdSSR), bestimmt eine Sensation aber, dass die Amerikaner zum ersten Mal seit 1928 keine Medaille im 100 m-Lauf gewinnen konnten. Den diesmal einzigen Leichtathletiksieg für die Bundesrepublik gelang der Sprinterin Annegret Richter im 100 m-Lauf, dazu noch Silber über 200 m und mit der Sprintstaffel. Weitere siegreiche Athleten aus dem bundesdeutschen Team waren der Bahnradfahrer Gregor Braun, mit zweimal Gold in der Einzelverfolgung und mit dem Bahnvierer, sowie der Springreiter Alwin Schockemöhle. Sozusagen "knappes" Silber eroberten der Zehnkämpfer Guido Kratschmer hinter Bruce Jenner (USA) und der Einer-Ruderer Peter-Michael Kolbe hinter dem Finnen Pentti Karppinen, der später noch 1980 und 1984 gewann.

    Fazit

    Die Spiele von Montreal machten vor allem auch im finanziellen Bereich von sich reden: 310 Millionen Dollar sollten sie ursprünglich kosten, am Ende waren es, offenbar verursacht durch Fehlplanungen, Streiks und unglaubliche Korruption, 1400 Millionen. Als negative Konsequenz lasteten die "Olympia-Schulden" jahrzehntelang auf den Steuerschultern der Bürger.