Olympische Spiele der Neuzeit

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Die erste Olympiade der Neuzeit fand rund 1500 Jahre nach dem Verbot der Olympischen Spiele der Antike, im Jahr 1896, in Athen statt. An den ersten Olympischen Sommerspielen der Neuzeit beteiligten sich 13 Nationen: Bulgarien, Dänemark, das Deutsche Reich, Frankreich, Griechenland, Italien, Österreich, Schweden, die Schweiz, Ungarn und das Vereinigte Königreich; außerdem nahmen die Vereinigten Staaten von Amerika und Australien an den Spielen teil.

Pierre Baron de Coubertin

Der Franzose Pierre de Coubertin hatte zwei Jahre zuvor das Internationale Olympische Komitee (IOC) gegründet und in diesem das Amt des Generalsekretärs bekleidet.

Coubertins Idee zugrunde lag der Wunsch nach Überwindung nationaler Egoismen und das Eintreten für internationale Verständigung: Die "Jugend der Welt" sollte sich bei sportlichen Wettkämpfen messen, anstatt sich auf dem Schlachtfeld zu bekämpfen.

Heute versteht man unter den "Olympischen Spielen der Neuzeit" die Olympischen Sommer- und die Olympischen Winterspiele, die im zweijährigen Wechsel ausgetragen werden.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung

Hatten an den ersten neuzeitlichen Spielen noch 262 Athleten aus 13 Ländern teilgenommen, so verzeichnete der Wettbewerb im Laufe des vergangenen Jahrhunderts nicht nur zunehmende internationale Begeisterung, sondern auch ein starkes und stetiges Wachstum in der Teilnehmerzahl: Zu den Sommerspielen von 2004 in Athen fuhren rund 10.500 Sportler aus 202 Nationen, die sich in 301 Wettkämpfen maßen. Neben den Fußball-Weltmeisterschaften und der Tour de France sind die Olympischen Spiele inzwischen das größte Sportereignis der Welt.

Organisation und Aufbau

Im Zentrum der "Olympischen Bewegung" - dem so genannten Zusammenschluss der die Spiele planenden und durchführenden Organisationen - steht immer noch das Internationale Olympische Komitee (IOC). Sein Präsident ist Jacques Rogge. Die Hauptverantwortung des IOC liegt in der Betreuung und Mitorganisation der Sommer- und Winterspiele, der Auswahl der Austragungsorte und der beteiligten Sportarten.

Amateur- und Profisport

Für Pierre de Coubertin mussten olympische Sportler Ehrenmänner sein – jedoch wurden nur Amateure als solche angesehen. Profis wurde jegliche Teilnahme an den Spielen rigoros verweigert. Ihr Ausschluss hatte in der modernen Geschichte von Olympia jedoch unzählige Kontroversen zur Folge, sodass in den 1980er Jahren die Amateurregeln gelockert und während der 1990er Jahre vollständig aufgehoben wurden. 2004 war Boxen die einzige Sportart, in der keine Profis zugelassen waren.

Krisen

Durch ihre internationale Bedeutung und zunehmende mediale Präsenz sind die Olympischen Spiele jedoch auch immer wieder Opfer politischer Willkür. Entgegen der Geisteshaltung des Vaters der olympischen Idee, de Coubertin, waren die Spiele mehrmals nicht in der Lage, den internationalen Frieden zu manifestieren und Spannungsverhältnisse zwischen einzelnen Nationen zu entschärfen: Tatsächlich konnten drei Veranstaltungen - in den Jahren 1916, 1940 und 1944 - aufgrund der Weltkriege nicht durchgeführt werden.

1936 missbrauchten die Nationalsozialisten erfolgreich die Sommerspiele von Berlin als Propagandaforum, um das Ansehen Deutschlands im Ausland zu verbessern.

Während der Olympiade von 1972 in München nahmen palästinensische Terroristen elf Mitglieder des israelischen Mannschaftskaders gefangen; bei einer missglückten Befreiungsaktion starben alle Geiseln, fünf der Entführer und ein Polizist. Der Vorfall blieb weltweit in Erinnerung; nicht zuletzt durch die berühmten Worte des damaligen IOC-Präsidenten Avery Brundage, der sich für die Fortführung der Spiele einsetzte: "The games must go on" (Die Spiele müssen weitergehen").

Regelmäßig wurde die Veranstaltung in der Vergangenheit außerdem boykottiert: So geschehen z.B. 1956, als sowohl die Niederlande als auch Spanien und die Schweiz eine Teilnahme an den Spielen aus Protest gegen die Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstandes durch die Sowjetunion unterließen.