Paris 1900

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Spiele der II. Olympiade

    John Flanagan, der beste Hammerwerfer um die Jahrhundertwende, siegreich bei den olympischen Spielen in den Jahren 1900, 1904 und 1908.

    Die zweiten Sommerspiele fanden in der französischen Metropole vom 20. Mai bis 28. Oktober statt. Sie wurden über fünf Monate gestreckt, weil gleichzeitig in Paris die Weltausstellung zu Gast war. Korrekte Zahlen gibt es nicht, weil das IOC keine wirkliche Kontrolle über die Spiele hatte. Glaubwürdige Olympiastatistiker schätzen, dass rund 1300 Männer und 10 Frauen aus 22 Ländern an den (wahrscheinlich) 87 Wettwerben in (vermutlich) 18 Sportarten teilnahmen.

    Programm

    Im Vergleich zu Athen hatte sich die Zahl der Sportarten mindestens verdoppelt, darunter solche Wettbewerbe wie Motorbootrennen, Ballonwettfahrten, Unterwasserschwimmen, Boule und Hindernisschwimmen. Neu waren die heute klassischen olympischen Sportarten Bogenschießen, Fußball, Rudern und Segeln. Im Fechten kam der Degen dazu. Neu war auch, dass erstmals Frauen dabei waren, aber nur im Tennis und Golf.

    Pierre de Coubertin

    Austragungsort

    IOC-Präsident Coubertin, der Paris gegen die Befürworter des permanenten Olympia in Athen durchgesetzt hatte, plante eine enge Verbindung des Sports mit der Weltausstellung und wollte die Wettkämpfe selbst organisieren.

    Die Weltausstellung

    Die Manager der Weltausstellung, Hand in Hand mit der Regierung, drängten Coubertin ins Abseits und führten selbst Regie, so dass bis heute nicht ganz klar ist, welche Wettbewerbe "olympisch" waren und welche Ereignisse der Weltausstellung. Noch Jahre später wussten viele Athleten nicht, dass sie an Olympischen Spielen teilgenommen hatten, glaubten vielmehr, ihre Wettkämpfe hätten zur Weltausstellung gehört.

    Medaillenbilanz

    Erfolgreichste Mannschaft war die Frankreichs, die aus vier Frauen und 880 Männer bestanden haben soll - das größte Team, das je ein NOK an den Start geschickt hat. Französische Sportler feierten (vermutlich) 29 Siege, 41 zweite und 32 dritte Plätze, vor den USA (20/14/19).

    Vergleiche Medaillenspiegel Paris 1900.

    Olympische Pannen

    Es gab keine echte olympische Eröffnungs- und Schlussfeier. Vorher festgelegte Termine wurden willkürlich verschoben, IOC und Sportler waren gleichermaßen verwirrt, was sich auch in der Dokumentation dieser Spiele niederschlug. Die Wettkampfanlagen waren oft in einem schlimmen Zustand (Weitspringer hoben eigenhändig ihre Sprunggrube aus), Funktionäre und Kampfrichter unqualifiziert. Amerikaner konnten aus Glaubensgründen nicht an auf Sonntage verschobenen Wettkämpfen teilnehmen. Bestleistungen aus Vorkämpfen wurden in die Finale eingerechnet. Die USA schickten keine offizielle Mannschaft, sondern Athleten von Colleges oder Klubs, und mittendrin gab es Wettkämpfe für Berufssportler.

    Das IOC versuchte Jahre später die Listen zu "rekonstruieren" und verlieh die Medaillen erst im Jahr 1912.

    Erfolge

    Als erste Olympiasiegerin der Geschichte gilt die englische Tennisspielerin Charlotte Cooper, aber weder Golf noch Tennis waren 1900 als "olympisch" klassifiziert.

    Die Stars waren zwei amerikanische Leichtathleten: Alwin Kraenzlein holte sich vier Siege und Ray Ewry gewann - an einem Tag - alle drei Sprungdisziplinen aus dem Stand. Bis 1908 erhöhte sich seine Sammlung auf insgesamt zehn Siege.

    Das deutsche Beteiligungs-Komitee unter Leitung von Dr. Gebhardt (Deutsche Olympiamannschaften) brachte trotz Anfeindungen 10 000 Mark an Spenden auf und schickte 64 Männer nach Paris, die drei Siege und je zwei zweite und dritte Plätze ernteten, im Schwimmen, Rudern, Segeln und Rugby.

    Fazit

    Die Ziele Coubertins, das Interesse in der Welt an einem eigenständigen internationalen Sportfest, das den noch weithin unbekannten Namen "Olympische Spiele" trug, zu verstärken, erwies sich als Reinfall. Es sollte sich auch in Zukunft noch zeigen (siehe St. Louis 1904), dass es der falsche Weg war, Olympischen Spiele einfach in eine Weltausstellung einzugliedern und damit recht unbedeutend zu machen.