Rudersport

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Rudern ist ein wassersportlicher Wettkampf, bei den in verschieden besetzten Booten über verschiedene Distanzen Rennen auf ruhigem Gewässer ausgetragen werden.

    Regeln in Kürze

    Es wird in Bahnen (zwischen 12,5 und 15 m breit, mindestens 4 m tief und strömungsfrei) über 2 000 m gerudert. Die Schlagzahl ist die Zahl der Ruderschläge pro Minute (zwischen 32 und 47). Für die Endläufe werden die beiden Halbfinalsieger auf den Bahnen 3 und 4 gesetzt.

    Skullboote

    Rudern, Einer

    (Wie Einer, Doppelzweier und Doppelvierer): Die Ruderer betätigen zwei "Ruder", eines in jeder Hand. Das Skull ist ca. 3 m lang.

    Riemenboote

    (Zum Beispiel der Achter): Der Sportler führt mit beiden Händen nur ein "Ruder", das Riemen heißt. Dieser ist zwischen 3,75 und 3,85 m lang.

    Wettkampfdisziplinen

    Frauen: Einer, Doppelzweier, LG-Doppelzweier, Vierer ohne Steuerfrau, Doppelvierer-ohne, Achter

    Männer: Einer, Zweier-ohne, LG-Doppelzweier, Doppelzweier, LG-Vierer-ohne, Vierer-ohne, Doppelvierer-ohne, Achter

    Kurioses

    Der Amerikaner John Brenden Kelly sen., der Vater der Filmschauspielerin und späteren Fürstin von Monaco, Grace Kelly, gewann in Antwerpen 1920 (Einer) und Paris 1924 (Doppelzweier) Gold. Sohn John Brenden Kelly jun. holte sich im Einer in Melbourne 1956 Bronze.

    Olympiasieger Iwanov warf nach seinem Sieg im Einer in Melbourne in überschäumender Freude seine Goldmedaille in die Luft – und griff daneben. Sie liegt wohl noch heute im Wendouree-See. Er erhielt vom IOC ein Duplikat.

    Drei Mal, 1976, 1984 und 1988, schien der Deutsche Peter-Michael Kolbe der designierte Einer-Olympiasieger, jedes Mal wurde es "nur" Silber. Kolbes Dauerkonkurrent Karppinen wurde nahtlos von Thomas Lange (DDR) abgelöst.

    Geschichte der Sportart

    Das sportliche Rudern entwickelte sich aus Wettrennen der Fährleute auf der Londoner Themse im 18. Jahrhundert. 1775 fand dort die erste Regatta statt, 1839 das erste Achter-Rennen zwischen den Universitäts-Teams von Oxford und Cambridge, 1839 zum ersten Mal die ebenso berühmte Henley-Regatta.

    Die ersten deutschen Meisterschaften im Einer-Rudern wurden 1882 ausgetragen.

    Olympische Geschichte

    Pertti Karppinen

    Bei der olympischen Premiere in Athen 1896 sollte Rudern eigentlich ausgetragen werden, die Regatten fielen aber dem starken Seegang und dem schlechten Wetter zum Opfer. Damals wurde noch auf dem offenen Meer gerudert.

    Die olympische Premiere erlebte der Rudersport in Paris 1900 mit vier Bootsklassen.

    Ab Paris 1924 stand das Wettkampfprogramm der nächsten Jahrzehnte mit sieben Bootsklassen fest, ehe in Montreal 1976 die achte (Doppelvierer) hinzugefügt wurde. Im selben Jahr wurden auch die Frauen mit sechs Bootstypen ins olympische Programm aufgenommen.

    Ein großer Umbruch erfolgte in Atlanta 1996, als das Leichtgewichtsrudern (Körpergewicht für Männer mit Ausnahme des Steuermanns höchstens 72,5 kg, Mannschafts-Durchschnittsgewicht maximal 70 kg; für Frauen 57 kg) olympisch wurde. Bei den Frauen wurde der Vierer-ohne gestrichen und durch den Leichtgewichts-Vierer-ohne ersetzt, bei den Männern standen statt Zweier-mit und Zweier-ohne die LG-Doppelzweier und LG-Vierer-ohne im Programm.

    Von Anfang an fiel das olympische Rudern durch phantasiereiche Bootsklassen auf, die aber immer wieder rasch aus dem Programm verschwanden. (Siehe Frühere Olympische Sportarten, Rudern.)

    Olympische Erfolge

    Die Ruderer aus der DDR beherrschten in den 70er und 80er Jahren die olympische Bühne wie sonst keine Sportart. Sie holten sich insgesamt 34-mal Gold, neun Mal Silber und acht Mal Bronze und feierten mindestens einen Olympiasieg in jeder der 14 Klassen bei Männern und Frauen.

    Mit bisher drei Mal Gold wird der Deutschland-Achter gerne als das Flaggschiff des Deutschen Rudersports bezeichnet.

    Eine Reihe von Ruderern sicherte sich je drei Olympiasiege, darunter der Sowjetrusse Iwanov, der im Einer drei Mal hintereinander zwischen 1956 und 1964 gewann und der Finne Pertti Karppinen, dem das gleiche Kunststück von 1976 bis 1984 gelang.

    Erfolgreichste Teilnehmerin aller Zeiten ist die Rumänin Elisabeta Lipa, die von 1984 bis 2004 insgesamt acht Medaillen gewann, davon fünf Mal Gold. Der beste Ruderer ist der Brite Steven Redgrave mit sechs Mal Edelmetall, davon zwischen 1984 und 2000 fünf Mal hintereinander Gold.