Sapporo 1972

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Überraschend gewann die Deutsche Monika Pflug bei den Olympischen Spielen 1972 in Sapporo den Eisschnelllauf über 1000 m.

    Elfte Olympische Winterspiele

    Vom 3. bis 13. Februar. 217 Frauen und 1015 Männer aus 35 Ländern, wegen der großen Entfernung weniger als in Innsbruck 1964 und Grenoble 1968, nahmen an 35 Wettbewerben in acht Sportarten teil.

    Programm

    Das Programm hatte sich seit Grenoble 1968 nicht verändert.

    Austragungsort

    Nach den guten Erfahrungen mit Tokio 1964 hielt das IOC nun auch erstmals Winterspiele in Asien ab und sprach die Austragung der Stadt Sapporo auf der Insel Hokkaido klar im ersten Wahlgang vor Alberta (Kanada) zu.

    Sapporo hatte die ihm zugedachten Winterspiele 1940 wegen des Krieges gegen China abgesagt. Nun investierten die Japaner rund 2,2 Milliarden Mark in die Vorbereitungen, vor allem in die Infrastruktur.

    Die Amateurfrage oder der Fall Karl Schranz

    IOC-Präsident Avery Brundage beharrte auf seinem Kampf gegen die Kommerzialisierung, und sein Opfer wurde der Österreicher Karl Schranz. Obwohl es angeblich 40 "Amateursünder" auf einer Liste des IOC gab, traf nur ihn der Bannstrahl wegen Verstößen gegen die Amateurbestimmungen. Es war aber ein offenes Geheimnis unter Experten, dass sich Schranz nicht anders als viele Kollegen auch verhalten hatte.

    Auch im Eishockey spielte das Amateur-Profi-Verhältnis eine Rolle. Aus Protest, weil die Sowjetrussen ihrer Meinung nach "Quasi-Profis" einsetzten, nahmen die Kanadier, die ihre offiziellen NHL-Profis nicht nominieren durften, erstmals in der Geschichte nicht an Olympischen Winterspielen teil.

    Medaillenbilanz

    In der Medaillenbilanz dominierten nun wieder im Gegensatz zu Grenoble die Sowjets (8/5/3) vor der erstaunlich auftrumpfenden DDR (4/3/7).

    Vergleiche Medaillenspiegel Sapporo 1972.

    Erfolge

    Ulrich Wehling bei den Olympischen Spielen in Sapporo 1972.

    Herausragende Athleten waren die Sowjetrussin Galina Kulakowa, die in allen Langlaufwettbewerben siegte, der dreifache Olympiasieger Ard Schenk (Holland) im Eisschnelllauf, die Doppel-Olympiasiegerin Marie-Theres Nadig (Schweiz) im Alpinen Skisport und die japanischen Skispringer, die auf der kleineren Schanze sämtliche Medaillen gewannen, was es bisher noch nie gab.

    DDR-Sportler dominierten im Rennrodeln (von neun für sie möglichen gewannen sie acht Medaillen) und in der Nordischen Kombination (Gold für Ulrich Wehling, Bronze für Karlheinz Luck).

    Das bundesdeutsche Team (mit 90 Sportlerinnen und Sportlern) glänzte golden durch die Eisschnellläufer Erhard Keller, der über die Wiederholung seines 500 m-Sprintsieges von Grenoble strahlte, und Monika Pflug, beide aus München. Ebenfalls Gold gewannen die Ohlstadter Zweierbobfahrer Wolfgang Zimmerer und Peter Utzschneider. Im Zweierbob konnte ein Zweifachsieg gelandet werden, fuhren doch Floth/Bader zur Silbermedaille.

    Bemerkenswerte Außenseitersiege gab es für Fernandez Ochoa im Slalom (die erste Wintersport-Goldmedaille Spaniens) und für den Polen Fortuna im Springen von der Großschanze, dem Fortuna mit einer starken Windböe half.

    Fazit

    Die Japaner organisierten alles überpünktlich, waren Olympiasieger in Freundlichkeit bei diesen Spielen der wieder "langen Wege".

    Die Kontroversen, die vier Jahre zuvor in Grenoble begonnen hatten, spitzten sich in Sapporo weiter zu (siehe Fall Karl Schranz).

    Die beiden deutschen Mannschaften traten erstmals völlig eigenständig an, die DDR also unter ihren Hoheitszeichen.