Seoul 1988

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Carl Lewis

    Spiele der XXIV. Olympiade

    Vom 17. September bis 5. Oktober. 2 186 Frauen und 6 279 Männer aus 159 Ländern nahmen an 237 Wettbewerben teil. Es wurden allerdings 241 Goldmedaillen vergeben, weil es im Turnen Mehrfachsieger gab.

    Programm

    Das olympische Programm wurde um 16 Wettbewerbe erweitert: Tennis, das nach 1924 gestrichen worden war, und Tischtennis mit je vier Disziplinen für Frauen und Männer waren neu. Ergänzungen gab es im Bogenschießen, Schwimmen (50 m-Freistil), Segeln, Radsport (Sprint der Frauen) und in der Leichtathletik (Langstrecken: 10 000 m-Lauf der Frauen).

    Austragungsort

    Im September 1981 hatte das IOC überraschend eindeutig im ersten Wahlgang die Spiele 1988 an die südkoreanische Hauptstadt (vor dem einzigen Mitbewerber Nagoya/Japan) vergeben, was wegen der politischen Lage in dem geteilten Land sofort weltweite Kontroversen auslöste. Die Ostblockländer unterhielten keine diplomatischen Beziehungen zu Seoul, und man befürchtete erneut starke Boykottbestrebungen.

    Nordkorea forderte eine gleichwertige Einbeziehung in die Ausrichtung, das IOC gestattete nur einige Wettbewerbe, worauf Nordkorea den Boykott beschloss, dem sich allerdings nur Kuba, Äthiopien, Nicaragua, Albanien und die Seychellen anschlossen.

    Schlagzeilen

    Der Dopingfall des Kanadiers Ben Johnson erschütterte die Spiele von Seoul. Zwei Tage nach seinem Sieg über 100 m in fantastischen 9,79 Sekunden vor Carl Lewis (9,92), Linford Christie (9,97) und Calvin Smith (9,99) wurde Johnson des Dopings überführt und disqualifiziert. (Siehe auch Doping/Dopingkontrollen und Dopingfälle)

    Carl Lewis kam so zu seinem zweiten Olympiasieg über die 100 m nach 1984 und zu seinem fünften Gold, dem er noch im Weitsprung das sechste hinzufügte.

    Medaillenbilanz

    Die Medaillenbilanz verteilte sich auf 53 Länder, so viele wie noch nie, und sah zum letzten Mal die UdSSR (55/30/45) und die DDR (37/35/30) vorn, wobei die Ostdeutschen sogar die Amerikaner (36/31/27) übertrafen. Die bundesdeutsche Mannschaft konnte insgesamt 40 Medaillen (11/14/15) erringen.

    Vergleiche Medaillenspiegel Seoul 1988.

    Erfolge

    Zu den Stars dieser Spiele zählen mit sechs Goldmedaillen die DDR-Schwimmerin Kristin Otto, was noch nie einer Frau bei einmal Olympia geglückt war. Matt Biondi gewann sieben Schwimm-Medaillen (davon fünf in Gold), Florence Griffith-Joyner triumphierte dreimal und der Turner Artyomow holte sich vier Goldmedaillen.

    Greg Louganis gelang in Seoul das einmalige Kunststück, seinen Doppelsieg von 1984 im Wasserspringen zu wiederholen.

    Deutsche Erfolge feierten vor allem die Reiter mit vier Goldmedaillen (darunter zweimal Nicole Uphoff) und die Fechter mit drei Olympiasiegen (darunter zweimal Anja Fichtel). Der Ruder-Achter gewann nach 20 Jahren wieder, Peter-Michael Kolbe wurde zum dritten Mal seit 1976 Zweiter, und Schwimmer Michael Groß holte sein drittes Gold. Das gab es auch für die Schützin Sylvia Sperber und für Steffi Graf, die in diesem Jahr auch den Tennis-Grand-Slam gewonnen hatte.

    Fazit

    Die Urteile über die Spiele in Seoul reichten von "perfekt" bis "ohne Herz und Seele". Im Land herrschten kriegsähnliche Zustände, und die Sicherheitsvorkehrungen waren bedrückend.

    Man öffnete nun den Profis die olympischen Türen (Tennisprofis durften an den Start gehen) und mehr denn je der Kommerzialisierung und dem Gigantismus. Selbst Funktionäre beklagten die ungesunde Fülle der Wettbewerbe - und beschlossen trotzdem eine Aufstockung um 20 Wettbewerbe für 1992.