Squaw Valley 1960

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Achte Olympische Winterspiele

    Vom 18. bis 28. Februar. 144 Frauen und 521 Männer aus 30 Ländern nahmen an 27 Wettbewerben in sechs Sportarten teil.

    Programm

    Auf dem Programm standen: Alpiner und Nordischer Skisport (im alpinen Skisport wurden zum ersten Mal Metallskier eingesetzt), Eiskunstlauf, Eisschnelllauf, Eishockey und erstmals Biathlon (nur ein Wettbewerb für Männer über 20 km).

    Premiere feierte das Eisschnelllaufen der Frauen mit vier Wettbewerben. Erstmals fehlte der Bobsport, weil sich in einer Umfrage nur neun Landesverbände für eine Teilnahme ausgesprochen hatten.

    Austragungsort

    Helmut Recknagel bei den Olympischen Spielen 1960 in Squaw Valley.

    Der kalifornische Ort hatte den IOC-Zuschlag im Juni 1955 mit zwei Stimmen Vorsprung vor Innsbruck bekommen (Garmisch-Partenkirchen war im ersten Durchgang mit fünf Stimmen ausgeschieden), obwohl dort zum Zeitpunkt der Wahl keine Infrastruktur (nur ein Touristenhotel) vorhanden vor. Aber Alexander Cushing, der Besitzer dieses "Tals der Indianerfrau", wollte mit Hilfe Olympias ein Wintersportzentrum aus dem Boden stampfen und setzte sich mit seiner Beredsamkeit durch.

    Später kam bald Kritik auf. Den alpinen Skirennläufern waren die Strecken zu leicht, es wurden dann künstliche Hindernisse eingebaut. Den nordischen Skisportlern passte die Höhe des Ortes nicht. 2 000 m über dem Meeresspiegel - das musste enorm leistungshemmend sein.

    Medaillenbilanz

    Wie schon in Cortina 1956 gewannen die Sowjets die meisten Medaillen (7/5/9).

    Vergleiche Medaillenspiegel Squaw Valley 1960.

    Erfolge

    Zum Erfolg der UdSSR trug Lydia Skoblikowa entscheidend bei, gewann sie doch zwei der vier Goldmedaillen der neu eingeführten Eisschnelllauf-Wettbewerbe für Frauen. Ihr Eisschnelllauf-Kollege Jewgenij Grischin holte sich, wie schon in Cortina, ebenfalls zweimal Gold.

    Veranstalter USA gewann das Eishockeyturnier, die Amerikaner schlugen Kanada (2:1), erstmals die UdSSR (3:2) und schließlich die CSSR (9:4).

    Helga Haase (Eisschnelllauf) und Helmut Recknagel (Springen), beide Ostdeutschland, gewannen ihre Wettbewerbe ebenso wie die Westdeutschen Heidi Biebl (Abfahrt) und Georg Thoma (Nordische Kombination). Der Sieg von Thoma war eine wahre Sensation, hatte doch noch nie ein Nicht-Skandinavier Gold im Skispringen erringen können. Heidi Biebl war, drei Tage nach ihrem 19. Geburtstag, die jüngste Olympiasiegerin der Spiele.

    Das Eiskunstlaufpaar Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler, mit 18 Jahren der jüngste Medaillengewinner, sicherte sich Silber wie Hans-Peter Lanig in der Abfahrt und nochmals Helga Haase.

    Kurioses

    Die Bobfahrer ärgerten sich gewaltig, weil sie erstmals seit 1924 zuschauen mussten, was sie als Willkür und Regelverstoß ansahen. Die Veranstalter aber weigerten sich, wegen des anzunehmenden geringen Teilnehmerinteresses eine Bahn zu bauen, und setzten sich beim IOC damit durch.

    Fazit

    Trotz der Querelen im Vorfeld übte Squaw Valley eine große Anziehungskraft aus und bot perfekte Spiele, mit einer Eröffnungsfeier á la Walt Disney. Es wurden "Spiele der kurzen Wege" zu zweckmäßigen Sportstätten. Erstmals übertrug das US-Fernsehen landesweit olympischen Wintersport.

    Die erfolgreiche gesamtdeutsche Mannschaft (18 Frauen und 56 Männer) gewann insgesamt vier Goldmedaillen, bei deren Überreichung (als Lösung der leidigen Hymnen-Frage) Beethovens Neunte erklang.