St. Louis 1904

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Spiele der III. Olympiade

    Die dritten Spiele fanden in der amerikanischen Großstadt im Bundesstaat Missouri vom 1. Juli bis 23. November statt. Vermutlich sechs Frauen und 681 Männer aus 12 Ländern beteiligten sich an den 100 Wettbewerben in 15 Sportarten.

    Es wurden die Spiele der Amerikaner. Europäer fehlten weitgehend, wegen der langen Reise, den hohen Kosten, aber auch aus mangelndem Interesse.

    Programm

    Die Radwettbewerbe wurden nicht als olympisch anerkannt, Reiten und Schießen fehlten. Erstmals olympisch war der Boxsport.

    Austragungsort

    Ursprünglich bekam Chicago den Zuschlag, aber Präsident Theodore Roosevelt setzte St. Louis durch, wo die Weltausstellung von 1903 auf 1904 verschoben worden war.

    Die Weltausstellung

    John Flanagan, der beste Hammerwerfer um die Jahrhundertwende, siegreich bei den olympischen Spielen in den Jahren 1900, 1904 und 1908.

    Wie schon vier Jahre zuvor, wurde auch dieses Olympia zusammen mit der Weltausstellung (die Eröffnungsformel sprach deren Präsident) veranstaltet, was wieder erhebliche Schwierigkeiten mit sich brachte. Ähnlich wie in Paris 1900 streckte man Olympia auf fünf Monate. Viele Wettbewerbe wurden nicht als "olympisch" klassifiziert, sondern als Veranstaltungen der Weltausstellung. Was wirklich "olympisch" war, wurde später vom IOC entschieden. IOC-Präsident Coubertin, der uninteressiert in Paris geblieben war, ärgerte sich besonders über eine "Völkerschau" während der Spiele, in der Olympia verspottet wurde, und forderte, Olympische Spiele nie mehr in Verbindung mit einer Weltausstellung abzuhalten. Coubertin hatte große Hoffnungen auf Olympia in den USA gesetzt.

    Olympische Pannen

    Viele Wettkämpfe gerieten zur Farce: Die Radrennen (mit Profis aufgefüllt) wurden olympisch nicht anerkannt; beim 400-m-Lauf starteten die 13 Teilnehmer gleichzeitig; nach Fehlstarts wurde man mit "Strafyards" belegt, musste also weiter laufen.

    Im Marathonlauf wurde der Sieger Fred Lorz disqualifiziert, weil er sich von einem Auto hatte mitnehmen lassen, und Tom Hicks hatte unterwegs Strychnintabletten gegen seine Schwächeanfälle geschluckt und sie mit Brandy hinuntergespült.

    Im 2 500 m-Hindernisrennen, das es zum ersten Mal in Louisiana zu sehen gab, bejubelten die Zuschauer jeden Läufer, der in den Wassergraben stürzte.

    Medaillenbilanz

    Die erfolgreichsten Athleten kamen aus den USA, die 238 Medaillen und 80 von 94 möglichen Siegen holten. Die Amerikaner stellten auch das bei weitem größte Aufgebot, etwa vier Fünftel aller Teilnehmer waren US-Bürger.

    Das "Deutsche Komitee für St. Louis" schickte 23 (nach anderen Quellen 17) Männer per Schiff in die USA und stellte damit das stärkste ausländische Aufgebot. Daheim hatte man 26 000 Mark für die Kosten gesammelt. Hinter den USA holten die Deutschen als zweitbeste Mannschaft fünf erste Plätze (alle im Schwimmen), vier zweite und sechs dritte Plätze.

    Vergleiche Medaillenspiegel Saint Louis 1904.

    Erfolge

    Im erstmals olympischen Boxsport belegten die Amerikaner in allen sieben Gewichtsklassen die ersten beiden Plätze. Zum ersten Mal gingen schwarze Athleten an den Start, für den rassistischen Süden der USA eine ungeheure Provokation.

    Auf der neuen Leichtathletikbahn der Washington-Universität gab es erheblich bessere Leistungen als vier Jahre zuvor in Paris 1900. Ein Sprinter hinterließ den größten Eindruck: Archie Hahn siegte über 60 m, 100 m und 200 m. Im 200 m-Finale wurden seine drei Gegner wegen "falscher Starts" mit je einem Strafyard belegt, den sie also zusätzlich laufen mussten. Hahn hatte seine Konkurrenten verunsichert und so Frühstarts provoziert, für die man damals mit Strafyards belegt wurde.

    Martin Sheridan gewann das Diskuswerfen mit Weltrekord (39,28 m) erst nach einem Stechen mit seinem Landsmann Ralph Rose - der einzige derartige Fall in der olympischen Geschichte.

    Der Berliner Schwimmer Emil Rausch siegte im Kraul über 880 y und die Meile, wurde über 220 y Dritter. Über die 100 y Rücken belegten Walter Brack, Georg Hoffmann und Georg Zacharias die ersten drei Plätze. Der Berliner Paul Weinstein (Dritter im Hochsprung mit 1,78 m) war einer der wenigen Athleten, der gegen die übermächtigen Amerikaner in der Leichtathletik eine Medaille erringen konnte.

    Fazit

    Die Bedeutung dieser Spiele lag eigentlich darin, dass sie das öffentliche Interesse in der Welt an einem eigenständigen internationalen Sportfest, das den noch weithin unbekannten Namen "Olympische Spiele" trug, ungemein verstärkten. Sie unterstrichen ganz eindeutig, wie falsch es bisher gewesen war, diese Olympischen Spiele einfach in eine Weltausstellung einzugliedern und damit recht unbedeutend zu machen.