St. Moritz 1928

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Zweite Olympische Winterspiele

    Vom 11. bis 19. Februar. 27 Frauen (nur Eiskunstlauf) und 468 Männer aus 25 Ländern nahmen an 14 Wettbewerben in sechs Sportarten teil.

    Programm

    Neu im Programm war eine typisch St. Moritzer Sportart, der Skeleton-Wettbewerb. Das Bobrennen, Zweierbob war erst 1932 olympisch, wurde zum ersten und letzten Male von einer Fünfer-Mannschaft bestritten. Im Gegensatz zu Chamonix gab es keinen Eisschnelllauf-Vierkampf mehr.

    Austragungsort

    Der IOC-Vorschlag, dasselbe Land solle Winter- und Sommerspiele veranstalten, musste schon jetzt ad acta gelegt werden, da in Holland (Amsterdam 1928) wohl kaum Winterspiele möglich waren. So kamen die Schweizer zu olympischen Ehren.

    St. Moritz litt während der olympischen Tage unter extrem ungünstigem Wetter. Der 10 000 m-Eisschnelllauf musste nach wenigen Läufen abgebrochen werden, da der Föhn die Bahn in eine Wasserlache verwandelt hatte. Er wurde auch nicht mehr neu angesetzt. Das Bobrennen musste wegen der wässerigen Bahn mit nur zwei Durchgängen auskommen, und beim 50 km-Langlauf stieg das Thermometer von morgens 0 Grad auf bis zu 25 Grad während des Rennens an. Der 15. Februar fiel wegen strömenden Regens als Wettkampftag völlig aus. Regen im Februar im Engadin, das hatte es seit Menschengedenken nicht gegeben.

    Medaillenbilanz

    Wie bereits in Chamonix vier Jahre zuvor waren die Norweger die erfolgreichsten Medaillensammler vor den USA, Schweden und Finnland.

    Vergleiche Medaillenspiegel Sankt Moritz 1928.

    Erfolge

    Überragender Eisschnellläufer war der Finne Clas Thunberg, der seinen fünf Medaillen von 1924 nun noch zwei Olympiasiege hinzufügte. Ebenfalls zweimal Gold errang in den nordischen Skirennen der Norweger Johan Gröttumsbraaten und damit nun, nach Silber und zweimal Bronze in Chamonix, die ersehnten Olympiasiege.

    Sein insgesamt drittes Gold nach 1920 (Wintersportarten integriert in die Sommerspiele) und 1924 sicherte sich der schwedische Eiskunstläufer Gillis Grafström. Publikumsliebling war die 16-jährige Sonja Henie, deren Stern in St. Moritz aufging. Ihre Interpretation des "sterbenden Schwans" aus Tschaikowskys Schwanensee-Ballett leitete eine neue Epoche im Eiskunstlauf ein.

    Auf Grund seiner Vorrangstellung in den vorangegangenen Olympiaturnieren war das kanadische Eishockeyteam von den Vorrundenspielen befreit, schlug in der Endrunde Schweden (11:0), England (14:0) und die Schweiz (13:0) in gewohnter Höhe und Präzision.

    Für die deutsche Mannschaft traten fünf Frauen und 44 Männer in St. Moritz an. Die einzige Medaille, eine in Bronze, gewann der Fünferbob, gesteuert von dem Garmisch-Partenkirchener Hanns Kilian.

    Fazit

    Trotz widrigen Wetters trugen diese zweiten Spiele zur Stärkung des olympischen Wintersports entscheidend bei. In St. Moritz beschloss der Internationale Skiverband, Abfahrt und Slalom probeweise ins Wettkampfprogramm aufzunehmen. Damit war der Grundstein für alpine Skirennen (auch olympisch) gelegt.

    In Deutschland war, nach dem Fehlen von 1920 und 1924, die olympische Begeisterung wieder gestiegen, nun besonders gefördert durch den jungen Funktionär Karl Halt (1891-1964), der eng mit Carl Diem zusammenarbeitete.