St. Moritz 1948

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Fünfte Olympische Winterspiele

    Vom 30. Januar bis 8. Februar. 77 Frauen und 636 Männer aus 28 Ländern nahmen an 22 Wettbewerben in sieben Sportarten teil.

    Programm

    Sieben Sportarten standen auf dem Programm:

    Alpiner und nordischer Skisport, Eisschnelllauf, Eiskunstlauf, Bob, Eishockey und (wie 1928) Skeleton.

    Erstmals wurden nun auch Medaillen in den alpinen Einzeldisziplinen Abfahrt und Slalom (Frauen und Männer) vergeben.

    Austragungsort

    Die Spiele in St. Moritz konnten beweisen, dass die olympische Idee den schrecklichen Krieg unbeschadet überstanden hatte. Nach 12-jähriger Pause wurde wieder um Medaillen gekämpft. Zum zweiten Mal nach 1928 war erneut St. Moritz an der Reihe, nachdem es schon 1940 für Sapporo hätte einspringen sollen, aber wegen Amateur-Streitigkeiten (Skilehrer galten nicht als Amateure) mit dem IOC 1938 absagte. Die Spiele von 1940 mussten letztendlich kriegsbedingt ausfallen.

    Nach dem Krieg hatte das IOC eine neue Führung bekommen. Präsident war jetzt der Schwede Sigfrid Edström, sein Stellvertreter der Amerikaner Avery Brundage, die engagiert dafür eintraten, baldmöglichst wieder Olympische Spiele abzuhalten. Per Post wurde für 1948 unter den IOC-Mitgliedern abgestimmt.

    St. Moritz war eine gute Wahl. In der neutralen Schweiz waren alle Einrichtungen unversehrt vorhanden, lediglich Modernisierungen waren von Nöten.

    Der Föhn störte zwar auch diesmal, wirkte sich aber nicht so katastrophal wie 1928 aus. Eishockeyspiele und der 10 000 m-Eisschnelllauf mussten zwar verschoben, aber nicht abgesagt werden.

    Medaillenbilanz

    Je zehn Medaillen fielen an Norwegen (4/3/3), Schweden (4/3/3) und die Schweiz (3/4/3).

    Vergleiche Medaillenspiegel Sankt Moritz 1948.

    Stars

    Die Ausweitung auf sechs olympische Wettbewerbe rückte den Alpinen Skisport in den Mittelpunkt. Der Franzose Henri Oreiller wurde mit Gold in Abfahrt und Kombination (errechnet) und Bronze im Slalom der erfolgreichste Teilnehmer.

    Schlagzeilen

    Zu einem Skandal kam es im Eishockey durch die Amerikaner, die mit zwei Mannschaften erschienen: eine des Amateurverbandes (AHA) und eine des NOK. Der Internationale Eishockeyverband als Ausrichter ließ gegen den Willen des IOC das AHA-Team zu. Zur Eröffnung war noch die NOK-Truppe einmarschiert. Es wurde nur Vierter und nachträglich vom IOC disqualifiziert und aus der Wertung gestrichen wurde.

    Erfolge

    In den Langläufen gewannen die Schweden alle Wettbewerbe. Martin Lundström holte sich zweimal Gold, seine Mannschaft sechs von sieben möglichen Medaillen.

    Der große Birger Ruud wollte im Springen sein drittes Gold (nach 1932 und 1936) erringen und es gelang ihm nach 12-jähriger Olympiapause als 37-Jähriger noch Silber.

    Im Eiskunstlauf leitete der Amerikaner Richard Button mit seinem athletischen Sprungstil eine neue Epoche ein.

    Die Italiener gewannen durch Nino Bibbia (Skeleton) ihr erstes Wintersport-Gold.

    Das Eishockeyturnier gewannen wieder die Kanadier, diesmal mühevoll vor der CSR (mit Tennis-As Jaroslav Drobny) nur dank des besseren Torverhältnisses.

    Fazit

    Naturgemäß waren diese Spiele noch von den Folgen des Krieges geprägt: karge Sportstätten, wenige Zuschauer sowie die finanzielle Notlage vieler Athleten waren die wenig positiven Begleiterscheinungen. Auch die beginnenden Streitigkeiten um den Amateurstatus, der bald die Spiele bedrohen sollte, nahmen Einfluss auf das olympische Turnier.

    Doch trotz der widrigen Umstände gelang in St. Moritz ein positiver, vielversprechender Neubeginn, was auch die Breite der teilnehmenden Nationen bestätigt: Zwar zeigte die UdSSR kein Interesse, dafür waren Chile, Dänemark, Island, Korea, Libanon und Liechtenstein erstmals bei Winterspielen dabei. Deutsche und japanische Sportler waren als Folge des Zweiten Weltkrieges nicht eingeladen worden.