Sydney 2000

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Spiele der XXVII. Olympiade

    Vom 15. September bis 1. Oktober 2000.

    Mit dem für australische Verhältnisse frühen Datum - die Spiele in Melbourne 1956 fanden vom 22. November bis 8. Dezember statt - kam man vor allem den Bedürfnissen der Europäer entgegen. 10 651 Sportler und Sportlerinnen aus 199 Ländern nahmen in 28 Sportarten teil und rangen um 300 zu vergebende Goldmedaillen. Erwähnenswert auch die Anzahl der freiwilligen Helfer, die bei 47 000 lag.

    Programm

    Die Zahl der Sportarten wuchs mit Taekwondo und Triathlon gegenüber Atlanta von 26 auf 28. Neu hinzu kam auch Trampolinspringen, das als Disziplin innerhalb des Turnens ausgeübt wird. Die Mehrzahl der zusätzlichen Wettbewerbe geht auf das Konto der Frauen, die erstmals im Modernen Fünfkampf, Gewichtheben und Wasserball antraten. Zusätzliche Frauen-Wettbewerbe in anderen Sportarten waren: Stabhochsprung und Hammerwurf (Leichtathletik), 500-m-Zeitfahren (Rad), Trap und Skeet (Sportschießen), Duett (Synchronschwimmen). Außerdem wurde ins Programm aufgenommen: Synchronspringen (Männer und Frauen), 49er (Segeln, offen für Männer und Frauen) und drei Bahnradwettbewerbe (Olympischer Sprint, Madison, Keirin) für Männer.

    Austragungsort

    Bei der Vergabe setzen sich die Australier knapp gegen Peking durch. Erst im fünften Wahlgang gingen die Spiele an die australische Metropole, zuvor waren Manchester, Istanbul, Berlin und Peking ausgeschieden. Ein gemischtes Echo im eigenen Land begleitete die deutsche Bewerbung mit Berlin, die nach 1936 wieder Austragungsort sein wollte, allerdings nur rund zehn Stimmen erhielt.

    Nach Melbourne 1956 fanden die Spiele im Jahr 2000 wieder auf dem Fünften Kontinent statt. Mit seinen Wahrzeichen (vor allem dem weltberühmten Opernhaus) und seinen zahlreichen Stränden ist Sydney ein überaus attraktiver Austragungsort mit einer noch jungen Geschichte: 1788 ging die heutige Metropole aus einer britischen Strafkolonie hervor, die um ein Fort angelegt wurde, und Ausgangspunkt weiterer Siedlungsgründungen war.

    Die Begeisterungswoge der einheimischen Bevölkerung, die bei der Vergabe eingesetzt hatte, hielt sich im Vorfeld sowie während der Veranstaltung, als sie von "Down Under" auf die ganze Welt überschwappte. Es sollten die "besten Spiele aller Zeiten" werden (siehe Fazit).

    Medaillenbilanz

    An der Spitze lagen die Athleten aus den USA mit insgesamt 39 Gold-, 25 Silber- und 33 Bronzemedaillen. Als zweitstärkste Nation erwies sich Russland mit der Bilanz 33 Gold-, 28 Silber- und 28 Bronzemedaillen, womit sie sich vor China platzierten (28/16/15).

    Das deutsche Team rangiert mit 14-mal Gold, 17-mal Silber und 26-mal Bronze auf Platz fünf des Medaillenspiegels.

    Vergleiche Medaillenspiegel Sydney 2000.

    Stars

    Die Spiele der Superlative brachten auch ihre Helden hervor: Cathy Freeman, Aborigine und Hoffnungsträgerin einer ganzen Nation, erreichte viel mehr als den von allen Australiern ersehnten Olympiasieg über 400 m. Als sie das Olympische Feuer entzündete, blickte alle Welt auf die Athletin, die zur Symbolfigur für die Versöhnung zwischen den Aboriginies und der weißen Bevölkerung wurde. Zum Nationalhelden avancierte außerdem ein 17-jähriger Wunder-Schwimmer. Bereits in der ersten Woche löste Ian Thorpe, genannt "Thorpedo", mit dreimal Gold und einmal Silber eine Begeisterungswelle im eigenen Land aus.

    Die Amerikanerin Marion Jones gewann fünf olympische Medaillen (dreimal Gold und zweimal Bronze), womit sie die Statistik als erfolgreichste Leichtathletin bei Olympia anführt. Olympische Geschichte schrieb der englische Ruderer Steven Redgrave, der zum fünften Mal in Folge Gold gewann. Heike Drechsler, die Grande Dame der Leichtathletik, konnte als 35-Jährige ihren Olympiasieg von 1992 im Weitsprung wiederholen; keine der Konkurrentinnen kam an Drechslers Weite von 6,99 m heran.

    Erfolge

    Es sollten Spiele reich an Höchstleistungen werden: Insgesamt 42 Weltrekorde wurden aufgestellt, im Rampenlicht vor allem die Schwimmer, die im Aquatic Center insgesamt 13-mal mit Bestmarke anschlugen. Neben Superstar Ian Thorpe konnten vor allem die niederländischen Athleten Erfolge feiern. Pieter van den Hoogenband machte dem australischen Liebling der Massen den Rang streitig und Inge de Bruijn dominierte die Konkurrenz bei den Frauen.

    Als schnellster Mann der Welt konnte sich Maurice Greene im 100 m-Finale der Männer behaupten. Einen sensationellen Erfolg aus deutscher Sicht konnte in der Leichtathletik Nils Schumann erzielen; als erster Deutscher überhaupt entschied er in einem spannenden Finish den 800 m-Lauf für sich. Zu den erfolgreichen deutschen Athleten zählen außerdem Bahnradfahrer Robert Bartko, der in der Bahnrad-Einzelverfolgung die erste Goldmedaille für Deutschland gewann und auch zum siegreichen Bahnradvierer (gewann in Weltrekordzeit) gehörte, Jan Ullrich, der dem Erwartungsdruck mit Gold im Straßenrennen Stand halten konnte, oder auch Kanusportler Andreas Dittmer, der nach Gold im Zweier 1996 sich nun auch Olympiasieger im Kanadier-Zweier nennen darf, sowie Thomas Schmidt, Überraschungs-Sieger im Kanu-Slalom. Als Ausnahmeerscheinung darf Birgit Fischer bezeichnet werden, die mit dem Gewinn insgesamt sieben olympischen Goldmedaillen (Nummer sechs und sieben in Sydney) zur erfolgreichsten deutschen Olympionikin aufstieg.

    Flops

    In dem Schwimmbecken, in dem die Rekorde nur so purzelten, sollten die deutschen Teilnehmer regelrecht untergehen. "Sydney war ein Griff in die Kloschüssel", so Achim Jedamsky, Schwimm-Bundestrainer, zum Abschneiden der deutschen Mannschaft. Die Medien stürzten sich vor allem auf Franzika van Almsick, die in ihrer einstigen Paradedisziplin, den 200 m Freistil, bereits im Vorlauf scheiterte.

    1996 war er noch der Shooting-Star, in Sydney verlief der Wettkampf von Frank Busemann eher nach dem Motto "Pleiten, Pech und Pannen". Claus Marek, Zehnkampf-Bundestrainer, äußerte sich nach dem verpatzten Diskuswerfen von Frank Busemann (ca. 33 m): "Das reicht vielleicht für das deutsche Sportabzeichen, aber nicht für eine Medaille bei Olympia!"

    Die dritte Auflage des amerikanischen Dream Teams (Basketball) verdiente den Namen nicht. Knappe, glanzlose Siege und negative Schlagzeilen, die sich weniger dem Sport als dem Auftreten widmeten, ließen die Goldmedaille weniger hell erstrahlen, als dies bei den Vorgängern der Fall war.

    Zunächst war der Jubel über Gold des Freistil-Ringers Alexander Leipold groß; doch dieser Sieg entpuppte sich kurz nach den Spielen zu einer der größten Enttäuschungen, als bekannt wurde, dass Leipolds Dopingtest positiv ausgefallen war.

    Fazit

    Bereits die glanzvolle Eröffnungsfeier versprach Einzigartiges: Und die Spiele hielten, was die Eröffnung versprach. Sydney bot die "besten Spiele bisher", wie es Juan Antonio Samaranch bei der Abschlussveranstaltung auf den Punkt brachte. Und das Lob ist nicht unbegründet: Mit hervorragenden Wettbewerben, reibungsloser Organisation, Beigeisterungsfähigkeit des australischen Publikums und seinem olympischen Flair, das selbst über die Bildschirme alle Welt erreichte, setzte Sydney Maßstäbe.

    Neben Rekorden und "Höher, Weiter, Schneller" konnte man sich in Sydney auch darüber freuen, dass das Motto "Dabeisein ist alles" nicht ganz in Vergessenheit geraten ist. Eric Moussambani aus Äquatorial-Guinea musste im Vorlauf zum 100 m Freistil Finale alleine schwimmen; dabei kämpfte er weniger gegen die Zeit als gegen das Ertrinken. Mit letzten Kräften gelangte er ans Ziel - ein olympischer Augenblick, der zu den Highlights dieser Spiele zählt.

    Weblinks

    Sydney 2000