Radsport bei Olympia – Die längste Strecke im Zeitfahren

    Aus Olympia-Lexikon.de

    Eine Radtour hat schon was für sich. Sportlich bis flanierend geht es zuverlässig voran. Das Fahrrad fasziniert immer wieder durch sein raffiniertes und im Kern doch banales Design. Durch feine Kraftübersetzung wird aus moderater Anstrengung ein echter Schub. Und so ist in Zeiten der sich erhitzenden Klimadebatte das Fahrrad als Fortbewegungsmittel so zeitlos wie eh und je. Ganz ohne Lithium und Benzin. Alles kommt aus eigener Kraft! Vielleicht gehören athletische Bestleistungen auf dem Fahrrad eben deswegen zu den inspirierenden Kapiteln der Sportgeschichte. Dabei ist insbesondere die Frühphase des Radsports voller Herkules-Leistungen und (heute) unbesungener Helden.

    Schwerstarbeit bei Olympia

    Schon früh in seiner Geschichte revolutionierte das Fahrrad die menschliche Fortbewegung. So mancher Pilger meisterte den Jakobsweg mit dem Fahrrad und Menschen, für die ein Automobil wirtschaftlich in weiter Ferne war, sahen im Fahrrad eine Chance, mobil zu werden. Doch es dauerte auch nicht lange, bis erste Radrennen auf den damals ungleich schwereren Maschinen abgehalten wurden.

    Bei den Olympischen Sommerspielen 1912 in Stockholm wurde am Sonntag, den 7. Juli 1912, ein Wettbewerb im Radsport ausgetragen. Dabei handelte es sich um ein brutal anspruchsvolles Zeitfahren, das auch gleichzeitig als Einzelrennen zählte. Dies war das einzige Mal in der olympischen Geschichte, dass zwar ein Straßenrennen, jedoch kein Bahnradrennen stattfand. Die Strecke war 320 Kilometer lang und die Radfahrer starteten im Zwei-Minuten-Takt. 123 Radsportler aus 16 Nationen traten an. Die Ergebnisse dieses Rennens wurden zugleich auch als Grundlage für eine Mannschaftswertung verwendet, um die Medaillen für das Mannschaftszeitfahren zu ermitteln. Dazu wurden die Zeiten der Athleten derselben Nation zusammengezählt.

    Ein vergessener Soldat und Sportler?

    94 Fahrer beendeten das Rennen, wobei selbst der Schnellste unter ihnen, der Goldmedaillengewinner aus Südafrika, Rudolph Ludewyk "Okey" Lewis (er fuhr für Großbritannien), immer noch 10 Stunden, 42 Minuten und 39 Sekunden brauchte. Lewis konnte später in Deutschland noch weitere Radsporterfolge vorweisen, als er Beim Radrennen „Rund um Dresden“ je einmal Zweiter und Erster werden konnte, sowie beim Großen Sachsen-Preis den zweiten Platz belegen konnte. Leider sollte Lewis selbst kein hohes Alter beschieden sein, da er bereits im Alter von 46 Jahren verstarb. Dies war insbesondere Kriegsverletzungen sowie einer entbehrungsreichen Zeit in Kriegsgefangenschaft geschuldet. Lewis hatte im Ersten Weltkrieg auf Seiten Deutschlands gekämpft und war dabei gar mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden.